Archiv der Kategorie: @“Die Presse“ (paywall)

Quergeschrieben: Mein wöchentlicher Kommentar in „Die Presse“.

Die wundersame Bekehrung: Wie sich Silvia in Aisha verwandelte

Die junge Mailänderin Silvia Romano konvertierte in einem Gefängnis der Al Shabaab zum Islam. Die 18 Monate ihrer Geiselhaft schildert sie wie einen Abenteuerurlaub.

Im August 2008 wurde die kanadische Journalistin Amanda Lindhout in Somalia von islamistischen Terroristen entführt. Nach 460 Tagen Geiselhaft wurde sie gegen Lösegeld freigelassen. Sie war unterernährt und in einem so schlechten Gesundheitszustand, dass sie zwei Wochen lang in einem Spital behandelt werden musste, bevor sie nach Kanada zurückkehren konnte. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in dem Bestseller „A House in the Sky“ (2013). Dieses „Haus im Himmel“ war das Gefängnis, in dem sie ihre Wächter wiederholt folterten und vergewaltigten. Um sich zu schützen, gab sie vor, sich zum Islam zu bekennen.

Ganz anders hört sich an, was Silvia Romano nach ihrer Ankunft in Rom erzählte. Die Mitarbeiterin der NGO Africa Milele war eineinhalb Jahre in der Gewalt der islamistischen Terrororganisation Al Shabaab gewesen. Aber was sie erzählt, nimmt sich aus wie die Schilderung eines etwas härteren Belastungstrainings für Spitzenmanager. Ihre Bewacher müssen wahre Gentlemen gewesen sein.

Die Wächter hätten versprochen, sie gut zu behandeln. Sie hätten sie weder gefoltert, noch vergewaltigt noch sonst wie belästigt. Sie habe ein Zimmer für sich gehabt, man habe ihr sogar erlaubt, ein Tagebuch zu führen, das ihr erst kurz vor der Befreiung abgenommen worden sei. Immer wieder habe sie die Stimme des Muezzins gehört, der die Gläubigen zum Gebet rief. „Ich las den Koran und ich betete. Ich habe lange nachgedacht und am Ende eine Entscheidung getroffen.“ Sie sei zu nichts gezwungen worden.

Silvia nennt sich seither Aisha, nach der jüngsten der neun Ehefrauen Mohammeds. Als sie am Sonntag in Rom ankam, trug sie einen grünen Überwurf, der Kopf und Körper verhüllte, trug Handschuhe und eine Anti-Virus-Maske. „Wenn sie so glücklich war und konvertiert ist, warum habt ihr sie befreit“, fragte die Sängerin Ornella Vanoni stellvertretend für viele Italiener. Für ein paar Millionen Euro an die Terroristen habe Italien eine Ikone des Multikulturalismus importiert, ätzte Alessandro Sallusti, der Chefredakteur der Tageszeitung „Il Giornale“.

Italienische Medien vermuten, dass zwei bis drei Millionen Euro Lösegeld bezahlt wurden. Wenn Lösegeld gezahlt wird, spornt das die Terroristen zu weiteren Geiselnahmen an. NGO-Aktivisten sind besonders leichte Opfer.

Die Terrormiliz Al Shabaab („Jugend“) jubelt mit Recht über ihren Sieg. Nicht nur, dass es ihr wieder einmal gelang, ihre Kriegskasse mit Geld aus westlichen Quellen aufzufüllen. Der Übertritt der jungen Italienerin zum Islam ist auch noch ein propagandistischer Erfolg ersten Ranges. Dank der Erzählungen der Konvertitin Aisha erhielt der islamistische Terror zum ersten Mal ein „menschliches Antlitz“. Seht doch, wie glücklich die junge Muslimin ist!

Im Sudan wird der Abfall vom Islam gemäß der Scharia mit dem Tode bestraft. In Italien herrscht Religionsfreiheit. Nichts hindert Silvia Romano daran, sich zur „Religion des Friedens“ ihrer Entführer zu bekennen. Man muss nicht erst das berüchtigte Stockholm-Syndrom bemühen. Das Wunder, das sie zu Allah gebracht hat, vollzog sich vor dem Hintergrund eines entgleisten, entgrenzten und entchristlichten humanistischen Relativismus, der überall im Westen dominiert und sich irrtümlich für aufgeklärt hält.

https://www.diepresse.com/5812678/die-wundersame-bekehrung-wie-sich-silvia-in-aisha-verwandelte

In der Covid-Phase 2 gilt erst recht: Weniger Staat, mehr privat!

Statt den wirtschaftlichen Stillstand zu subventionieren, sollte man die Unternehmen in Sicherheitsfragen beraten und endlich mehr Subsidiarität wagen.

Im Nachhinein ist man oft schlauer, aber nicht immer. Den Klimasekten-Slogan „Unite Behind the Science“ wird es wohl weiterhin geben. Aber mit der Science ist das so eine Sache. Da gibt es Wissenschaftler, die Covid-19 für etwa so gefährlich halten wie einen Fußpilz; andere prognostizieren mehr Seuchentote als bei Cholera und Beulenpest. Einige Experten halten Masken für überflüssig, andere für unverzichtbar, und dann gab es welche, die sagten einmal so und dann das Gegenteil. Die einen empfehlen, viel an die frische Luft zu gehen, die anderen rufen dazu auf, die eigenen vier Wände nur zu verlassen, wenn es gar nicht anders geht. Wer das schwedische Modell in Betracht zieht, wird von den einen an den Pranger gestellt, wer auf die hohe Zahl an Todesopfern verweist, gilt den anderen als Panikmacher. Die Kontroversen, mit denen Virologen und Epidemiologen in diesen Wochen aufwarteten, hatten es in sich. Karl Popper war ein kluger Mann. Empirisch-wissenschaftlich, sagte er, gibt es keine absolute Wahrheit.

Die Geschichte der Pandemie ist hier wie überall in der EU die Geschichte eines eklatanten Staatsversagens. Es gab weder Schutzkleidung noch Tests noch Krisenpläne. Statt sich an Taiwan oder Hongkong zu orientieren, wo die Seuche ohne Lockdown rasch und effektiv bekämpft wurde, imitierten die in Panik geratenen Regierungen das totalitäre rotchinesische Modell. Da sie auf die Seuche nicht gefasst waren, hatten sie zunächst auch keine andere Wahl.

Mittlerweile sieht man, dass sich das Virus nicht einfach so lang verbreitet, bis Herdenimmunität gegeben ist. Isaac Ben-Israel von der Universität Tel Aviv hat gezeigt, dass das exponentielle Wachstum den Höhepunkt am Ende der vierten Woche erreicht. Danach geht die Zahl der Infektionen zurück, und zwar unabhängig von den ergriffenen Maßnahmen. Insgesamt dauert so eine Welle rund 70 Tage.

Um die Zahl der Opfer gering zu halten, gibt es bewährte Mittel. An erster Stelle steht die Isolierung der Infizierten und ihrer Kontaktpersonen, dann die strikte Überwachung der Grenzen. Die Schließung der Schulen gehört dazu und die Maskenpflicht, die schon während der Spanischen Grippe erprobt wurde. Am wichtigsten aber ist die Aufklärung der Bevölkerung. Wer weiß, wie hoch das Risiko ist, hält von selbst Abstand und muss nicht erst von der Polizei dazu gezwungen werden. Freie Bürger werden sich künftig ganz sicher nicht mit einem Leben „am Rande des demokratischen Modells“ abfinden, wie es eine Kanzlerberaterin gern hätte.

In unserem Unternehmen befolgten wir schon vor den staatlichen Regelungen sinnvolle Schutzmaßnahmen“, erzählt eine deutsche Unternehmerin. Sie schlägt vor, in die Beratung der Unternehmen bei der Einführung eines Sicherheitskonzepts zu investieren, statt den wirtschaftlichen Stillstand zu subventionieren. Spätestens jetzt, in der Phase 2, sollten die lokalen Körperschaften gemeinsam mit den Bürgern entscheiden, welche Maßnahmen nach den jeweiligen Bedingungen zur Bekämpfung der Seuche nötig sind.

https://www.diepresse.com/5809548/in-der-covid-phase-2-gilt-erst-recht-weniger-staat-mehr-privat

Stadtluft macht frei? Dieses Vorurteil wird gerade widerlegt

So idiotisch, wie Karl Marx glaubte, ist das Landleben nicht. Im Alltag der jetzigen Pandemie lösen sich alte Missverständnisse über Stadt und Land allmählich auf.

Von Gilbert K. Chesterton stammt ein starker Einwand gegen das marxistische Stereotyp. Nicht das Land, sondern die Stadt begünstige den Idiotismus, sagte er, denn dort bewege man sich in Kreisen, denen man sich aus freien Stücken angeschlossen habe, weil sie die eigenen Vorlieben, Meinungen und Vorurteile teilten und bestärkten. Auf dem dünn besiedelten Land hingegen könne man sich diesen Luxus nicht leisten, man müsse sich auf Gesprächspartner einlassen, die konträre Meinungen vertraten. Das beuge vorzeitiger Verblödung vor.

Heute ist das natürlich anders. Adornos pädagogische Kolonnen würden sich wundern. Im Waldviertel würden sie auf kommunistische Schriftsteller treffen, auf sozialdemokratische Journalisten und atheistische Philosophen, im Burgenland auf anarchistische Musiker und Maler, in der Südsteiermark auf anthroposophische Kulturmanager und Ausstellungskuratoren. Von Winzern in Langenlois und Gamlitz würden sie dieselben Meinungen zu hören bekommen, die ihnen von Gesprächen in den Wiener Kaffeehäusern und anderen Hotspots der Bobosphäre vertraut wären. Der postmarxistischen Kulturrevolution ist es seit Adorno gelungen, die Gegensätze zwischen Stadt und Land gründlich zu verwischen.

Es ist keine Rede mehr davon, dass die Stadtluft frei mache. Die ehemaligen Yuppies (Young Urban Professionals) genießen ihren Ruhestand am Lande. Junge Paare mit Kindern, gutem Einkommen und dem großen Privileg, zu Hause arbeiten zu können, sind ihnen gefolgt. Früher einmal galt die Verdichtung der innerstädtischen Verbauung als dringend gebotene Alternative zur ästhetisch beklagenswerten „Zersiedelung“ des Landes.

Jetzt jedoch, unter dem Einfluss eines chinesischen Virus, das den Alltag revolutioniert, entdeckt man die Vorzüge des Wohnens in Häusern, die im respektvollen Abstand zu den Nachbarhäusern errichtet wurden. Auf dem Land hat es freundliche soziale Distanz schon immer gegeben.

Fast jede Familie hat dort ein Auto, es gibt genügend Parkplätze, und die Gefahr, am Freitag von Ökofaschisten im Kindesalter angepöbelt zu werden, ist ziemlich gering. Landluft macht frei, und sie ist gesünder als die Stadtluft, deren Feinstaubbelastung ungeachtet des wochenlangen Rückgangs des Verkehrsaufkommens nur unwesentlich abgenommen hat.

https://www.diepresse.com/5806716/stadtluft-macht-frei-dieses-vorurteil-wird-gerade-widerlegt

Misstraut den Politikern und hört nicht auf die Intellektuellen

In der Krise fehlt es an vielem, nur nicht an Entwürfen für eine neue Welt. Besser ist es, auf den Hausverstand zu vertrauen und die Ärmel aufzukrempeln.

Nach der klassischen Studie des Wirtschaftshistorikers Carlo M. Cipolla („The Basic Laws of Human Stupidity“, Neuauflage 2019 mit einem Vorwort von Nassim N. Taleb) ist der Faktor Dummheit eine von Intelligenz, sozialer Stellung oder kultureller Zugehörigkeit unabhängige Konstante.

Anders gesagt: Dummheit ist in einem Club von Nobelpreisträgern nicht kleiner als in einem Sparverein. Oder im Kreis der Umweltminister der EU. Sie wollen eine Brücke bauen „zwischen dem Kampf gegen Covid-19, dem Verlust an Biodiversität und dem Klimawandel“. Man müsse am „Green Deal“ festhalten und der Versuchung widerstehen, „kurzfristige Lösungen als Antwort auf die gegenwärtige Krise“ zu geben, weil sie die „EU auf Jahrzehnte in einer Ökonomie der fossilen Brennstoffe“ blockieren würden. Dieser Aufruf wurde natürlich auch von der österreichischen Umweltministerin, Leonore Gewessler, unterschrieben. Gesundheitsminister Anschober drohte indes, „die Klimakrise mit einer ähnlichen politischen Konsequenz angehen“ zu wollen wie den Corona-Notstand. Könnte es sein, dass die Regierenden die Gleichmut, mit der die meisten Bürger die gesundheitspolitisch argumentierten Beschränkungen hinnehmen, als Freibrief für den dauerhaften Entzug von fundamentalen Freiheiten missverstehen? Tatsächlich braucht die Realwirtschaft gerade jetzt maximale Freiheit und nicht weitere soziale oder ökologische Lasten. Ohne profitorientierte Unternehmen wird es weder eine Therapie und einen Impfstoff gegen Covid-19 noch eine wirtschaftliche Erholung geben. Kapitalismus und Globalisierung haben Milliarden Menschen aus der Armut befreit. Sie werden auch die Wirtschaft in Schwung bringen, wenn man sie lässt. Wenn man sie nicht lässt, gehen irgendwann die Lichter aus.

Leider mehren sich die Anzeichen für eine schleichende Einführung sozialistischer Steuerung. Es ist von noch mehr staatlichen Zuwendungen, noch mehr Schulden, noch mehr aus dem Nichts geschöpftem Geld die Rede. Solche Maßnahmen beheben temporäre Engpässe aber nur um den Preis von noch größeren Problemen. Die Monetarisierung von Krisen ist brandgefährlich. Schon 2019 betrug die weltweite Verschuldung 250 Billionen (!) Dollar. Was uns droht, wenn die Blase platzen und die globale Wirtschaft kollabieren sollte, wäre bei Weitem schlimmer als das Unheil einer Seuche.

Taipeh warnte, aber die Welt hörte lieber auf die Lügen aus Peking

Schon am 31. Dezember gab Taiwan Seuchenalarm. Zehntausende starben, weil die WHO die Warnung aus Rücksicht auf das kommunistische China ignorierte.

In Wuhan wurden die ersten Covid-19-Fälle bereits im November 2019 registriert. Seit Dezember wussten chinesische Ärzte, dass sich das Virus durch Ansteckung von Mensch zu Mensch verbreitete, was das KP-Regime jedoch erst am 20. Jänner zugab. Damals hatte die Seuche ihre Reise um die Welt längst schon angetreten.

Taipeh hatte die WHO bereits am 31. Dezember auf die akute Gefahr aufmerksam gemacht. Die Regierung aktivierte den Notfallplan, den ihre Behörden aufgrund der Erfahrungen mit der Sars-Epidemie von 2003 ausgearbeitet hatten, wobei sie von der Möglichkeit einer Mensch-zu-Mensch-Infektion ausging. Alle Flugreisenden aus Wuhan wurden untersucht, zwei taiwanesische Experten wurden zu Ermittlungen in die Krisenprovinz entsandt. Als der erste Covid-19-Fall am 21. Jänner auftrat, war Taiwan so gut vorbereitet wie kein anderes Land der Welt, unter anderem auch durch die Rationierung von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln bei gleichzeitiger massiver Ausweitung der Produktion.

Indes vertraute die WHO weiter auf Peking. Er sei beeindruckt, wie detailliert und tiefgründig die chinesischen Behörden ihn informiert hätten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Darauf vertrauend behauptete Donald Trump am 21. Jänner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die Lage sei „völlig unter Kontrolle“, alles werde gut gehen. Seither haben die USA mehr als 23.000 Todesfälle registriert, weltweit waren es gestern schon 119.000.

Taiwan hat 24 Millionen Einwohner. Am Ostermontag meldete Taipeh insgesamt 393 Covid-19-Fälle, unter ihnen 338 importierte, und sechs Tote. Da die Behörden rechtzeitig und effizient auf die Gefahr reagiert hatten, konnte die Regierung – anders als die Regierungen in Amerika und in Europa – auf ein Lockdown verzichten. Schulen, Büros, Geschäfte und Restaurants blieben geöffnet. Die Behörden beschränken sich auf die Überwachung elementarer Regeln, etwa der Einhaltung sozialer Distanz und der Verwendung von Schutzmasken, deren Missachtung streng geahndet wird.

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