Archiv des Autors: Karl-Peter Schwarz

Über Karl-Peter Schwarz

Journalist

Weihwasser nützt nichts gegen Kurz und seine Reformen « DiePresse.com

Der Konflikt zwischen gemein- und marktwirtschaftlichen Lösungen wird seit dem 19. Jahrhundert auch in der katholischen Kirche ausgetragen. Sebastian Kurz wird heute von den Has-beens in der ÖVP über die Liberallalas in den Medien bis zu den Ultras im linken Echokammerl Verrat an der christlichen Soziallehre vorgeworfen, um ihn in den Augen von konservativen Wählern zu diskreditieren.

Dabei wird immer wieder Solidarität mit Nächstenliebe gleichgesetzt. Aber während Nächstenliebe individuell und uneigennützig ist, unterliegt die Solidarität dem sozialen Prinzip „Do ut des“ (ich gebe, damit du gibst). Jede Versicherung ist ihrem Wesen nach solidarisch.

Der weit größere Beitrag, den die Starken, Gesunden und Erfolgreichen leisten, kommt den Schwachen, Kranken und Bedürftigen zugute. In einem gerechten System könnten jedoch nur die Anspruch auf Leistungen erheben, die sich nicht selber helfen können, und nicht die, deren Lobby stark genug ist, um vom Staat Leistungen zu erpressen (Kern-Slogan: „Holen sie sich, was ihnen zusteht“). In einem von politischer Gängelung befreiten und dem Wettbewerb ausgesetzten System der Gesundheits- und Sozialversicherungen würde Kostenwahrheit herrschen. Das wäre sehr hilfreich, denn in unserer Welt der knappen Güter ist nur die göttliche Gnade unbegrenzt.
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Ein neues Kapitel in der amerikanischen Nahost-Politik « DiePresse.com

Donald Trump zieht die US-Soldaten aus Syrien ab. Verzichtet Washington auf militärische Interventionen im Nahen Osten? Dafür wäre es jetzt höchste Zeit.

Trump ist es in erstaunlich kurzer Zeit gelungen, den Islamischen Staat fast völlig zu zerschlagen. Der IS kontrolliert nur noch einige Dörfer an der Grenze zum Irak, das reicht nicht als sichere Basis für weltweit operierende Terroristen. Die Gefahr, die vom IS für Amerika ausging, scheint gebannt zu sein. Von der Illusion, Washington könnte doch noch einen Regimewechsel in Syrien erreichen und eine dauerhafte Friedensordnung implementieren, hat sich Trump zum Glück gelöst. Es ist nicht die Aufgabe der USA und es liegt auch nicht in ihrer Macht, verfeindete muslimische Parteien mit Waffengewalt daran zu hindern, sich gegenseitig umzubringen.

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Was darf die Reportage? Und was darf sie nicht?

Ist jede erzählende Reportage tatsächlich ein „imaginierter Text“? Und welche Regeln hat sie zu beachten? 

Angelika Overath hat heute in der F.A.Z. die „Spiegel“-Affäre kommentiert (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/woran-man-erkennt-dass-relotius-texte-keine-reportagen-sind-15961325.html?premium). Was sie bei Relotius stört, ist der „Märchenton“, nicht das Märchen, der Kitsch, nicht die Fiktion. Overath verehrt Marie-Luise Scherer, ich auch, aber nicht als Journalistin, sondern als Schriftstellerin. Der Unterschied ist wichtig, da es nun einmal um geistige Hygiene geht. Sätze wie die, die Overath zitiert, hätten einem Flaubert einfallen können, auch einem Andric, einer Yourcenar oder einem Ranke-Graves, aber in einem journalistischen Text haben sie nichts verloren: „Mademoiselle Iona Seigaresco hatte es eilig, eine alte Frau zu werden. Sie trug einen kleinen, braunen Filzhut, den sie sich, ohne das Echo ihres Garderobenspiegels zu beachten, einfach überstülpte. Nur fest und tief musste er sitzen und das Gesicht wegnehmen. Die Handtasche hing ihr an einem knappen Riemen vor der Brust. Sie ging stark gebeugt, was ihr jedoch nicht ersparte, die Obszönitäten am Boulevard de Clichy zu sehen, an dem sie wohnte.“ Historische Romane gehen ähnlich vor. Gesicherte Fakten sind das Skelett, an dem sich die emphatische Erzählung inspiriert. Das spricht keineswegs gegen den historischen Roman, man darf ihn nur nicht mit Geschichte verwechseln.
Bei aller Wertschätzung für Scherer: Gerade weil ihre Texte den Leser so in den Bann schlagen, tragen sie Mitschuld an der Feuilletonisierung des Journalismus. Ganze Generationen von Journalistenpreisträgern haben sich an ihnen orientiert und hemmungslos „imaginiert“. Basta! Für Reportage gibt es eine einfach Regel, die Berthold Kohler den FAZ-Redakteuren gegenüber einmal so formulierte: „Hingehen, hinschauen, zuhören, schreiben.“ Das ist es.

Fake News jetzt also auch im „Spiegel“! Wer hätte das gedacht… « DiePresse.com

Die betrügerischen Reportagen des preisgekrönten Journalisten wären längst entdeckt worden, hätte man auch das linke Leitmedium auf Fake News überprüft.
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Kurt Waldheim: Späte Genugtuung für den zu Unrecht Verfemten

Am 21. Dezember 2018 wäre Kurt Waldheim  100 Jahre alt geworden

Von Reinhard Olt

 Seit 1998 hängt sein Porträt wieder in der Eingangshalle des Hauptquartiers der Vereinten Nationen (UN) in New York. 1986 war es entfernt worden, als im Zuge einer von führenden SPÖ-Politikern miteingefädelten und vom World Jewish Congress (WJC) quasi zu einer weltumspannenden öffentlichen Erregung aufgeheizten Medienkampagne irgendein Fanatiker (oder Gedungener) ein Hakenkreuz auf die Leinwand des Ölgemäldes gekratzt hatte. Aufwallungen und Auseinandersetzungen um Kurt Waldheims Vergangenheit hatten noch an Schärfe zugenommen, als der amerikanische Justizminister Edward Meese den – trotz oder gerade wegen der Kampagne – zum österreichischen Bundespräsidenten Gewählten 1987 auf die „Watchlist“ setzte, was ein Einreiseverbot  nach sich zog.

Kurt Waldheim hat darunter gelitten. Sein gesamtes Wirken als österreichisches Staatsoberhaupt (1986 bis 1992) blieb davon überschattet. Zu Beginn seiner Amtszeit sei es „zu einer Form der politischen Auseinandersetzung gekommen, die in diesem Land nie wieder passieren darf“, sagte er später und fügte bedauernd hinzu, „unter dem Druck massiver und für mich vielfach verletzender Angriffe nicht immer jene Worte gefunden zu haben, die meinem Leben und meinen Gefühlen, dem Schicksal meiner Generation und meiner Heimat, aber auch der Größe der Verbrechen von damals gerecht wurden“.

Ein gefälschtes Dossier

Dennoch war es eine Genugtuung für ihn, dass er – spät, aber doch – durch Werke amerikanischer Sachkenner rehabilitiert wurde: In „Wie man auf die Watchlist kommt“, dem 1997 erschienenen Buch von John R. Mapother, und in Harold H.  Tittmanns „Die Verteufelung. Eine Dokumentation der US-Rufmordkampagne gegen Waldheim“ von 2001. Die genannten Autoren führten jeweils den akribischen Nachweis, dass Waldheim zu Unrecht auf die Liste gesetzt worden war. Schlimmer noch: Das dem Justizminister(ium) zuarbeitende Office of Special Investigation (OSI) – WJC-„Ermittler“ Eli Rosenbaum wurde später sogar OSI-Direktor  – wusste von der Fragwürdigkeit der Quellen, etwa des berüchtigten,  aber von Medien geradezu aufgesaugten „Odluka-Dossiers“ aus der Desinformationsabteilung  des tito-kommunistischen Geheimdienstes UDBA (Exkurs: Es handelte sich um ein Konvolut gefälschter  Dokumente vom 18.12.1947, welche Belgrad an die Kriegsverbrecher-Kommission in London übermittelt und  auch in Verhandlungen mit dem österreichischen Außenminister Karl Gruber über jugoslawische Gebietsansprüche in Südkärnten ins Spiel gebracht hatte, um dessen Sekretär Waldheim zu diskreditieren.)

Waldheims junge Jahre  glichen der Jugend vieler seiner Zeitgenossen.  Am 21. Dezember 1918 als Sohn eines Lehrers, der den vormaligen Familiennamen Vaclavec hatte eindeutschen lassen, zu St. Andrä-Wördern in Niederösterreich geboren, meldete sich Kurt Waldheim nach der Matura am Gymnasium in Klosterneuburg als Freiwilliger zum Militärdienst im Bundesheer und diente als Kavallerist in Stockerau. Dem Studium der Rechtswissenschaften ging von 1937 bis 1938 der Besuch der Wiener Konsular-Akademie (heute Diplomatische Akademie) voraus – mit dem Ziel, die diplomatische Laufbahn einzuschlagen.

„Stille, präventive Diplomatie“

Wie die meisten der vom gebürtigen Österreicher Hitler dem Deutschen Reich „angeschlossenen“ „Ostmärker“ wurde Waldheim zur Wehrmacht eingezogen, nahm an der Besetzung des Sudetenlandes teil und sah – als Dolmetscher und Ordonnanzoffizier im Stab der Heeresgruppe E – diverse Kriegsschauplätze, vornehmlich auf dem Balkan. 1944 erhielt er Urlaub, um das akademische Studium in Wien (mit der Promotion zum Dr. iur.) abzuschließen und Mag. Elisabeth Ritschel zu ehelichen, die er an der juristischen Fakultät der Universität Wien kennengelernt hatte und mit der er 63 Jahre verheiratet sein sollte; aus der Ehe mit ihr (Elisabeth Waldheim starb im 95. Lebensjahr am 28.02.2017) gingen drei Kinder hervor.

Bei Kriegsende schlug sich der Oberleutnant Kurt Waldheim von Triest aus nach Baden bei Wien zu seiner Familie durch. Noch 1945 trat er in den diplomatischen Dienst der neu entstandenen, aber (bis 1955) besetzten (und daher im politischen Handeln eingeschränkten) Republik ein und – über die politische Abteilung des Außenamtes – direkt an die Seite des Außenministers Karl Gruber als dessen Sekretär. Später nahm er an den Verhandlungen zum österreichischen Staatsvertrag (1955) teil, wurde Botschafter in Kanada, vertrat Österreich in den UN.  1968 berief Bundeskanzler Josef Klaus (ÖVP) den Parteiungebundenen zum Außenminister. Als solcher war er seinerzeit auch maßgeblich an den Verhandlungen mit Italien wegen des Südtirol-Konflikts beteiligt, woraus sich 1969 Autonomie-„Paket“ und Operationskalender ergaben sowie 1972 das Zweite Autonomie-Statut mit einer gewissen Gesetzgebungs- und Verwaltungsautonomie  inkraft trat.

„Stille, präventive Diplomatie“ kennzeichnete das Wirken des UN-Generalsekretärs Waldheim, das ihn zwischen 1972 und 1981 von New York aus an die Krisenherde des Weltgeschehens führte: Namibia, Südafrika, Angola, Bangladesch, Vietnam, Zypern oder Nahost. Sein ehrliches und weithin geschätztes Bemühen um Streitbeilegung und Konflikteindämmung trug freilich angesichts der „Stellvertreterkriege“, die im Schatten des Ost-West-Gegensatzes geführt wurden, nicht immer und nicht überall Früchte.

Eine dritte Amtszeit blieb ihm versagt

Waldheim verärgerte Washington, als er sich gegen die Bombardierung von Deichanlagen in Nordvietnam wandte. Gleichermaßen zog er sich den Zorn Israels und der Vereinigten Staaten zu, als er Arafats Auftritt vor der UN-Vollversammlung verteidigte. Die Auswirkungen sollte der angehende Pensionär, dem (wegen Pekings Veto) die angestrebte dritte Amtszeit am East River versagt blieb, allerdings erst  zu spüren bekommen, als ihn die ÖVP, für die er in der Bundespräsidentenwahl 1971 gegen Franz Jonas (SPÖ) schon einmal – allerdings erfolglos – ins Rennen gegangen war, 1986 abermals aufstellte.

Gegen den parteifreien Kandidaten für das Amt des Staatsoberhaupts  traten führende SPÖ-Politiker, die erstmals seit 1945 den Einzug eines „Bürgerlichen“ in die Hofburg fürchten mussten, und ihnen nahestehende publizistische Organe besagte Hetzkampagne los. Der leider nicht immer geschickt Agierende, aber von 53,6 Prozent der Österreicher trotzig Gewählte sah sich in den Mittelpunkt von ehrenrührigen Attacken des „World Jewish Congress“ (WJC) gerückt. Selbst der Befund einer internationalen Historiker-Kommission, wonach er keinesfalls persönlich in Kriegsverbrechen, geschweige denn  in Judendeportationen verwickelt gewesen sei, konnte das nicht verhindern. Die „Affäre“ überdauerte seine gesamte Amtszeit.

Waldheim trat zwar nicht zurück, 1992 aber auch nicht noch einmal an – obwohl das möglich gewesen wäre. Durchaus auch höchst selbstkritisch, da er sich selbst einst als SPÖ-Grande an der Kampagne beteiligt hatte, war daher die Bekundung des damaligen Nationalratspräsidenten Heinz Fischer 1992 in der Bundesversammlung  zu verstehen gewesen, wonach „dem Menschen und dem Bundespräsidenten Unrecht zugefügt wurde“. Fischer  war als späterer Bundespräsident  auch eine der letzten politischen Persönlichkeiten, die seinen Vorvorgänger noch bei Bewusstsein sah und mit ihm auf dessen bewegtes Leben zurückblickte, das 89 Jahre währte. Am 14. Juni 2007 verstarb Kurt Waldheim im Kreise seiner Familie. Nicht nur sie gedenkt seiner am 21. Dezember 2018  – aus Anlass seines 100. Geburtstags.