Endlich beginnen sich die Professoren zu wehren

Ein „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ versucht jetzt zu retten, was an unseren Hochschulen an Freiheit der Wissenschaft noch übrig geblieben ist.

Es wäre falsch, den Kulturkrieg, der heute im Namen der politischen Korrektheit geführt wird, mit dem McCarthyismus auf eine Stufe zu stellen. Gewiss, für die Betroffenen sind die Folgen oft vergleichbar, man denke nur an die Professoren, die aus den Unis gejagt, und an die Journalisten, die gefeuert werden, was in den USA und nun auch in Europa immer häufiger vorkommt.

Aber erstens war McCarthys Hexenjagd nach vier Jahren vorbei, und die USA waren damals tatsächlich in einem sicherheitsrelevanten Ausmaß kommunistisch unterwandert. Der Kulturkrieg hingegen wütet seit vierzig Jahren und ist längst schon ein konsolidiertes Massenphänomen. Im Unterschied zu McCarthy richten die identitätspolitisch motivierten Kulturrevolutionäre ihre Angriffe auch nicht gegen die Feinde der westlichen Zivilisation, sondern gegen alle, die deren erodierende Fundamente bewahren wollen. Da sie die Existenz objektiver Wahrheit leugnen und auf Emotionen statt auf Rationalität setzen, ist eine sachliche Debatte mit ihnen nicht möglich. Es ist ein reiner Machtkampf, in dem sich die meisten Professoren lieber opportunistisch ducken, statt aus Pflicht und Neigung offen Widerstand zu leisten.

Jetzt allerdings haben sich Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ zusammengeschlossen. Die Initiative, die bisher von 130 Professoren unterstützt wird, erinnert an den Bund Freiheit der Wissenschaft, der 1970 als Antwort auf den linken Terror auf den Hochschulen gegründet wurde. „Fast jeder der Unterzeichner konnte von Erfahrungen mit Pressionen, Drohungen und Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit erzählen“, berichtet der Historiker Peter Hoeres (Universität Würzburg), „von mehr oder weniger subtilen Signalen über die Erwünschtheit und Unerwünschtheit wissenschaftlicher Positionen über Rufmord im Netz und Drohungen bis hin zu körperlicher Gewalt.“

Im Historikerverband „war die Privilegierung von Geschlechtergeschichte, die Auswahl von Sektionen für den Historikertag nach biologischen Merkmalen der Referenten und die Abwertung von nicht ganz unwichtigen Ansätzen der Politik-, Militärgeschichte und Geschichte der internationalen Beziehungen samt deren Vertretern und Standorten omnipräsent.“ In manchen Lehrplänen für Kunstgeschichte, Philosophie oder Politische Theorie dürften „tote weiße Männer“ keine Rolle mehr spielen. Es sei an der Zeit, „den Anfängen zu wehren“.

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