Archiv für den Monat Februar 2021

Endlich beginnen sich die Professoren zu wehren

Ein „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ versucht jetzt zu retten, was an unseren Hochschulen an Freiheit der Wissenschaft noch übrig geblieben ist.

Es wäre falsch, den Kulturkrieg, der heute im Namen der politischen Korrektheit geführt wird, mit dem McCarthyismus auf eine Stufe zu stellen. Gewiss, für die Betroffenen sind die Folgen oft vergleichbar, man denke nur an die Professoren, die aus den Unis gejagt, und an die Journalisten, die gefeuert werden, was in den USA und nun auch in Europa immer häufiger vorkommt.

Aber erstens war McCarthys Hexenjagd nach vier Jahren vorbei, und die USA waren damals tatsächlich in einem sicherheitsrelevanten Ausmaß kommunistisch unterwandert. Der Kulturkrieg hingegen wütet seit vierzig Jahren und ist längst schon ein konsolidiertes Massenphänomen. Im Unterschied zu McCarthy richten die identitätspolitisch motivierten Kulturrevolutionäre ihre Angriffe auch nicht gegen die Feinde der westlichen Zivilisation, sondern gegen alle, die deren erodierende Fundamente bewahren wollen. Da sie die Existenz objektiver Wahrheit leugnen und auf Emotionen statt auf Rationalität setzen, ist eine sachliche Debatte mit ihnen nicht möglich. Es ist ein reiner Machtkampf, in dem sich die meisten Professoren lieber opportunistisch ducken, statt aus Pflicht und Neigung offen Widerstand zu leisten.

Jetzt allerdings haben sich Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ zusammengeschlossen. Die Initiative, die bisher von 130 Professoren unterstützt wird, erinnert an den Bund Freiheit der Wissenschaft, der 1970 als Antwort auf den linken Terror auf den Hochschulen gegründet wurde. „Fast jeder der Unterzeichner konnte von Erfahrungen mit Pressionen, Drohungen und Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit erzählen“, berichtet der Historiker Peter Hoeres (Universität Würzburg), „von mehr oder weniger subtilen Signalen über die Erwünschtheit und Unerwünschtheit wissenschaftlicher Positionen über Rufmord im Netz und Drohungen bis hin zu körperlicher Gewalt.“

Im Historikerverband „war die Privilegierung von Geschlechtergeschichte, die Auswahl von Sektionen für den Historikertag nach biologischen Merkmalen der Referenten und die Abwertung von nicht ganz unwichtigen Ansätzen der Politik-, Militärgeschichte und Geschichte der internationalen Beziehungen samt deren Vertretern und Standorten omnipräsent.“ In manchen Lehrplänen für Kunstgeschichte, Philosophie oder Politische Theorie dürften „tote weiße Männer“ keine Rolle mehr spielen. Es sei an der Zeit, „den Anfängen zu wehren“.

https://www.diepresse.com/5941539/endlich-beginnen-sich-die-professoren-zu-wehren

Der Terror gegen die Christen und die „Tyrannei der Schuld“

Europa ist eine spirituelle Wüste. Stört es hier keinen mehr, dass weltweit Hunderte Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden?

Wahrscheinlich wird sich die internationale Öffentlichkeit ausnahmsweise mit der Lage der Christen im Irak beschäftigen, wenn Papst Franziskus im März das Land besucht.

Die Medien berichten zwar jedes Mal zu Recht, wenn ein schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt ums Leben kommt, aber in der Regel ignorieren sie das Leid von Millionen Christen.

In Wien, das so stolz darauf ist, eine Stadt der Menschenrechte zu sein, lehnte der Gemeinderat mit den Stimmen der SPÖ, der Neos und der Grünen einen Antrag der ÖVP ab, „jede Form der Verfolgung religiöser Minderheiten, besonders der weltweit meistverfolgten Religionsgemeinschaft, der Christen“ zu verurteilen. Ebenfalls abgelehnt wurde die Teilnahme der Stadt Wien am „Red Wednesday“, einer Aktion von Kirche in Not, bei der in vielen Ländern Hunderte Kirchen, Monumente und öffentliche Gebäude blutrot angestrahlt werden, um auf die Christenverfolgungen aufmerksam zu machen. So etwas geht im roten Wien mit seinen pink-grünen Einsprengseln gar nicht. Eine Gemeinderätin der Grünen entblödete sich in der Debatte nicht einmal, von einem „Beginn der Diskriminierung“ zu sprechen, weil sich die Anträge „auf eine bestimmte Gruppe“ bezögen.

1683 wurde Wien durch ein multinationales christliches Heer von der Belagerung durch die Türken befreit. Heute daran zu erinnern, gar am 12. September auf den Kahlenberg zu pilgern, gilt als „rechtsextrem“. Was hören Schüler heute noch über die Schlacht von Lepanto? Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Tabus in der Erinnerungspolitik und dem Verschweigen der Christenverfolgungen.

Man sieht und versteht nicht viel, wenn man das Christentum nur von außen betrachtet. Man muss erst in eine Kathedrale eintreten, um die bunte Glasmalerei der Fenster sehen zu können, und man muss sich erst auf die Lehre und die Geschichte des Christentums einlassen, um es verstehen zu können. Atheismus war da übrigens nie ein echtes Hindernis.

Gefährlich für die Kirche wie für die Identität und die Selbstbehauptung der europäischen Völker sind die „Apatheisten“, denen eh alles wurst ist. Im Bund mit dem Relativismus – den Benedikt XVI. einmal „die wahre Religion des modernen Menschen“ nannte – hat dieser „Apatheismus“ Europa in eine spirituelle Wüste verwandelt.

Ein zweiter Grund dafür, dass die Christenverfolgungen „übersehen“ und die Verbrechen des Islam relativiert werden, liegt in der Schuldumkehr. Sogar der islamistische Terror wird als Reaktion auf vermeintliche europäische Verbrechen missverstanden. „Die einzige Identität, die den Weißen noch erlaubt ist, ist die Identität der Reue“, sagte Pascal Bruckner einmal in einem Interview. Diese „Tyrannei der Schuld“ führt dazu, dass Europa intellektuell und moralisch abrüstet.

Was dann bleibt, ist Appeasement, die schleichende Kapitulation, wie einst vor Hitler und dem Nationalsozialismus.

https://www.diepresse.com/5938303/der-terror-gegen-die-christen-und-die-tyrannei-der-schuld

Wie Politik und Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit verspielen

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Seuche ist es höchste Zeit, den Menschen die Angst zu nehmen und die Marktwirtschaft arbeiten zu lassen.

Um Lockdowns durchsetzen zu können, entschieden sich die Regierungen für eine Politik der Angst. Wissenschaftler kamen ihnen dabei zu Hilfe. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, hatte das deutsche Innenministerium im März 2020 mehrere Forschungsinstitute beauftragt, ein Modell zu erstellen, das „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ rechtfertigen sollte. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium erarbeiteten die Wissenschaftler in nur vier Tagen ein „Worst-Case-Szenario“, das mit mehr als einer Million Coronatoten rechnete.

In den internationalen Lockdown-Wettbewerben spielte Österreich von Anfang an in der Oberliga mit. Dennoch gab es bei uns bis 9. Februar laut Worldometer insgesamt 424.896 Fälle (positiv Getestete) und 8032 Tote. Im vierten Quartal 2020 ist die Wirtschaftsleistung um 4,3 Prozent eingebrochen, mehr als in irgendeinem anderen Land der EU. Das Argument, ohne die drei Lockdowns wäre alles noch viel schlimmer geworden, überzeugt immer weniger.

Nicht nur das Ansehen der Lockdown-Politiker leidet unter der Covid-Krise, sondern auch die Glaubwürdigkeit der politisch instrumentalisierten und medial gepushten Wissenschaftler. Besonders absurd ist die Null-Covid-Initiative, die davon träumt, das Virus in einem mehrwöchigen totalen Lockdown in der ganzen EU ausrotten zu können. Selbst unter der unrealistischen Annahme, dass das gelingen könnte: Wie schützt man danach das entseuchte Europa gegen Scheußlichkeiten wie die Südafrika-Mutation? Soll sich der Kontinent jahrelang gegenüber dem Rest der Welt hermetisch abschließen?

Während Lockdown-Politiker und die ihnen zuarbeitenden Wissenschaftler weiter auf neototalitäre Rezepte bauen, arbeiten private Firmen an echten Lösungen. Das Genom wurde schon wenige Wochen nach dem Ausbruch der Seuche entschlüsselt. Nur elf Monate später standen in Europa bereits drei Impfstoffe zur Verfügung. Weltweit wird an über 300 Impfprojekten gearbeitet, die auf unterschiedlichen Technologien aufbauen. Mehr als 40 neue Impfstoffe werden zurzeit klinisch erprobt, zehn davon befinden sich bereits in Phase III. Ein israelisches Spital hat ein wirksames Medikament zur Behandlung von Covid-19 entwickelt. Es gibt wahrlich keinen Grund zur Verzweiflung. Auch wenn die Welt auf Dauer mit dem Virus leben muss, wird sie das bald mit erheblich geringerem Risiko tun können.

Gegenwärtig besteht die Herausforderung darin, Milliarden Dosen Impfstoff herzustellen und zu verteilen. Die USA, Israel und Großbritannien, die nicht an das Prokrustesbett der europäischen Vergemeinschaftung gefesselt sind, sind uns dabei meilenweit voraus. Die Lieferengpässe werden sich bald beheben lassen. Aber die Impfstoffe sind rationiert und werden nach staatlichen Impfplänen verteilt, die an die sowjetische Planwirtschaft erinnern. Man sollte das der Industrie, dem Pharmagroßhandel, den Apotheken und den niedergelassenen Ärzten überlassen.

Die Politik sollte einsehen, dass sie ihre Aufgabe am besten dann erfüllt, wenn sie sich nicht ins Marktgeschehen einmischt.

https://www.diepresse.com/5934994/wie-politik-und-wissenschaft-ihre-glaubwurdigkeit-verspielen

Asylpolitik nach dem Motto: „Mir wern kan Richter brauchen“

In der grotesken Kampagne gegen die Abschiebung einer georgischen Familie geht es letztlich darum, eine Politik der offenen Grenzen durchzusetzen.

Die Familie T., die erstmals 2006 nach Österreich kam und zwischenzeitlich zwei Jahre lang wieder in Georgien lebte, stellte insgesamt sechs (!) Asylanträge, die allesamt abgewiesen wurden. Vier Abschiebeversuche wurden vereitelt. In letzter Instanz lehnte der Verwaltungsgerichtshof Revisionen ab, wobei er den Fall unter Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention („humanitäres Bleiberecht“) und des Bundesverfassungsgesetzes über die Rechte von Kindern beurteilte. Artikel 6 der EU-Richtlinie über die „Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger“ verpflichtet die Mitgliedstaaten, illegalen Aufenthalt konsequent zu unterbinden. Artikel 8 weist sie an, die Rückkehr als letztes Mittel zwangsweise durchzusetzen, falls sie die Betroffenen nicht freiwillig antreten. Mit der Entscheidung des VwGH und der Abschiebung wurde der illegale Aufenthalt der Familie T. endlich beendet.

Statt das zu begrüßen, äußerte sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen „zutiefst betroffen“. Politiker der Sozialdemokraten, der Neos und der Grünen scheiterten zwar an dem Versuch, Seite an Seite mit linken Dauerempörten die Polizei am Vollzug der Abschiebung zu hindern, führen aber seither eine mit Desinformationen gespickte Kampagne gegen das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, das Innenministerium und die Polizei. Ihre extensive Auslegung der Kinderrechte läuft darauf hinaus, dass Familien nur noch in Länder abgeschoben werden dürften, in denen es den Kindern besser geht als in Österreich. In der Rolle des Rechtsexperten beschimpfte der Schriftsteller Robert Menasse den Innenminister als „Heuchler“ und „Lügner“. Dies sei schon „jedem denkenden Gemüt in Österreich“ klar geworden.

Wer mit dem Hirn denkt, statt mit dem Gemüt, versteht sofort, worum es in Wirklichkeit geht. Zunächst einmal soll ein weiterer Keil in die türkis-grüne Koalition getrieben werden. Sozialdemokraten und Neos hoffen, dass die Regierung platzt, sobald der Corona-Alarm abgeblasen wird, also möglichst noch im Sommer. Es gibt etliche Scharfmacher bei den Grünen und in der ÖVP, die ebenfalls darauf hinarbeiten, weil sie das Ende der Ära Kurz kaum noch erwarten können. Wen kümmert es schon, dass durch diese Kampagne auch das Ansehen des Verwaltungsgerichtshofs und der Landespolizeidirektion Wien beschädigt wird. Der Steuerzahler aber fragt sich vielleicht, warum er sich Gerichte leisten soll, wenn Urteile, die sich nicht dem linken Mainstream fügen, sowieso folgenlos bleiben und wenn an die Stelle des Rechtsstaates in Asylangelegenheiten das Motto tritt: „Mir wern kann Richter brauche, weil wir haben ein goldenes Herz“ (Kurt Sowinetz).

Die Versuche, Abschiebungen gänzlich zu verhindern oder wenigstens auf unbestimmte Zeit zu verzögern, sowie der Vorschlag, allen in Österreich Geborenen bedingungslos die Staatsbürgerschaft zu geben, sind lediglich Varianten der Politik der offenen Grenzen. Je stärker der Einwanderungsdruck wird, desto wichtiger wird es, solchen Bestrebungen einen Riegel vorzuschieben.

https://www.diepresse.com/5931435/asylpolitik-nach-dem-motto-mir-wern-kan-richter-brauchen