Es gibt auch Rassisten, die nicht auf die Hautfarbe schauen

Die Netflix-Serie „Bridgerton“ treibt die Inklusion unterrepräsentierter Gruppen auf die Spitze. Motto: Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt.

London im frühen 19. Jahrhundert, Regency-Ära: Pomp und Circumstance, Karossen und Kaleschen, Intrigen und Amouren. Die neue Netflix-Serie „Bridgerton“ bot prallen Stoff für die Feiertage. Nicht nur der Hauptdarsteller, der Duke of Hastings, ist da eine PoC (Person of Color), sondern auch die Queen. 

Netflix hat das Plansoll für die Inklusion von unterrepräsentierten Gruppen, das die amerikanische Filmakademie für die Verleihung eines Oscars fordert („Frauen, rassische oder ethnische Gruppen, LGBTQ+, Personen mit kognitiven oder physischen Beeinträchtigungen“), dieses Mal wirklich übererfüllt. Vielleicht spricht es sich im korrekten Netflix-Management bald auch herum, dass Shakespeare niemand anderer war als Sheikh Zbir. Muammar Gaddafi hat diese These bereits 1988 vorgetragen. Die Zivilisation der britischen Imperialisten, sagte Gaddafi, basiere auf dem Diebstahl arabischer Kulturgüter. „Cultural Appropriation“ nennt man so ein Verbrechen. Zur Wiedergutmachung könnte Netflix nächstens die Sheikh-Zbir-Tragödie „Othello, die Möhre von Venedig“ auf den Schirm bringen, mit einem mozzarella-weiß geschminkten Transsexuellen in der Titelrolle. Kevin Spacey darf die natürlich nicht bekommen.

Vom Standpunkt der Hypermoral aus betrachtet stellt sich anhand der Netflix-Serie die Frage, ob es besser ist, vergangene Jahrhunderte multiethnisch zu verklären, statt an der bewährten großen Erzählung von der seit Jahrtausenden anhaltenden Unterdrückung und Ausbeutung der „Persons of Color“ durch die Weißen festzuhalten.

Wer allerdings einfach nur wissen möchte, wie Rassismus entstanden ist, sollte sich mit keinem der beiden Narrative zufriedengeben. „Rassismus hat mit der Hautfarbe nichts zu tun“, schreibt Egon Flaig in seiner „Weltgeschichte der Sklaverei“ (Beck). „Er entspringt aus der in allen Kulturen angelegten Tendenz, die ,anderen‘ abzuwerten. Verschärft sich die Vorstellung, die ,anderen‘ seien defizient, dann wird man ihre Minderwertigkeit in ihrem ,Wesen‘ suchen, letztlich in ihrer ,Natur‘.“

Einen Rassismus der Hautfarbe, sozusagen auf „wissenschaftlicher“ Basis, haben erst islamische Theoretiker der Sklaverei begründet, unter ihnen Avicenna und Ibn Khaldun, gut 500 Jahre vor den Europäern.

https://www.diepresse.com/5916714/es-gibt-auch-rassisten-die-nicht-auf-die-hautfarbe-schauen

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