Michel Houellebecq im Klub der „nicht christlichen Katholiken“

Wer den Franzosen als Romancier schätzt, sollte auch seine Essays lesen. Sie sind ein Antidoton gegen die Idiotie der politischen Korrektheit.

Die regelmäßigen Leser dieser Kolumne wird es nicht überraschen, dass ich das Buch empfehle. Houellebecq lobt Trump, weil er endlich Abschied von den militärischen Interventionen im Ausland nahm, die „seit mindestens fünfzig Jahren eine Aneinanderreihung durch Fehlschläge gekrönter Schandtaten gewesen“ seien. Trump sei gewählt worden, „um die Interessen der amerikanischen Arbeiter zu vertreten“, und „er vertritt die Interessen der amerikanischen Arbeiter“. Trump möge die EU nicht, und auch damit habe er recht, denn „wir haben in Europa weder eine gemeinsame Sprache noch gemeinsame Werte noch gemeinsame Interessen, kurz: Europa existiert nicht, es wird niemals ein Volk und schon gar nicht die Basis einer potenziellen Demokratie (vgl. die Wortherkunft) bilden, und das vor allem, weil es gar kein Volk bilden will.“

Fazit: „Präsident Trump erscheint mir als einer der besten Präsidenten, die Amerika je hatte.“ Mit einer wichtigen Einschränkung: „Ein echter christlicher Konservativer – also ein ehrenwerter und sittlicher Kerl – mit einem gleichwertigen Programm wäre für Amerika besser gewesen.“

An anderer Stelle erklärt Houellebecq, dass es in seinem bekanntesten Buch („Unterwerfung“, 2015) „nicht im Wesentlichen um den Islam geht, sondern in Wahrheit und wie gewohnt um einen erbitterten Angriff auf den heutigen Westen“. Er selbst sei „katholisch in dem Sinne, dass ich dem Schrecken einer Welt ohne Gott Ausdruck verleihe . . . aber nur in diesem Sinne.“ Je weiter man in das 20. Jahrhundert vordringe, „desto mehr verliert das Gesetz der Moral an Boden, bis es schließlich gar nicht mehr verstanden, wenn nicht gar systematisch missachtet wird“. Heute lebe man „in einer entchristianisierten Zeit, auf einem Kontinent, der seine Wurzeln vergessen hat, mit Justizsystemen, die darauf abzielen, die Spuren der Religion zu tilgen“.

In der Geistesgeschichte lasse sich „eine seltsame Familie von Denkern ausmachen, die die römisch-katholische Kirche für ihre Fähigkeit zur spirituellen Führung der Menschen und vor allem der Organisation menschlicher Gesellschaften bewundern, ohne deshalb christlich zu sein“.

Es gibt hier eine Parallele zu George Orwell, der im „Zusammenbruch des religiösen Glaubens“ eine der Ursachen der „schlimmsten Torheiten“ sah. „Der Schriftsteller – ich, Orwell oder irgendein anderer –“, sagt Houellebecq, „spürt eine Angst bei seinen Zeitgenossen.“ Als Orwell in England „1984“ geschrieben hat, „sagt er gar nicht, dass es so kommen wird“. Er wollte eine in seiner Zeit existierende Angst zum Ausdruck bringen, nämlich: „Wir werden alle vergesellschaftet und kontrolliert.“

Mit Orwell teilt Houellebecq die Wertschätzung der Arbeiter, die er bei den linken Parteien vermisst. Auch da hat er recht. Anstand, Moral und Vernunft sind bei ihnen besser aufgehoben als bei Intellektuellen und Politikern.

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