Ich bin ein „weißer Mann“, aber deshalb knie ich mich nicht nieder

Eine Kollektivschuld gibt es weder rechtlich noch moralisch. Dennoch werden „die Weißen“ kollektiv des Rassismus und seiner Verbrechen bezichtigt.

Aus Anlass des Todes des schwarzen Amerikaners George Floyd mahnte mich ein Freund: „Du bist ein weißer Mann wie ich, knie auch du dich einmal nieder, zeige ein wenig Pietät, wenigstens einmal.“ Auf Knien betet man zu Gott für die Seelen der Toten. Aber das hatte mein Freund nicht im Sinn. Er lud mich nicht ein, für Floyd zu beten, sondern er forderte zu einer politischen Geste auf, die Schuld des „weißen Mannes“ zu bekennen. Tut mir leid, dazu bin ich nicht bereit.

Es ist wohl kein Geheimnis, dass die USA die brutalsten Polizisten der westlichen Welt haben. Immer wieder sterben Amerikaner durch unverhältnismäßige Polizeigewalt. Der Anteil der schwarzen Opfer ist größer, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass die Kriminalitätsrate in der schwarzen Bevölkerung deutlich höher ist. Ob Derek Chauvin und die drei mutmaßlichen Mittäter – von denen einer afrikanische und ein anderer südostasiatische Vorfahren hat – aus Rassismus oder aus anderen Gründen getötet haben, wird ein Gericht untersuchen. Ihm obliegt das Urteil über die Schuld der Angeklagten.

Wie immer es ausfallen sollte, Floyds gewaltsamer Tod rechtfertigt nicht die Gewalttaten, die sich gegen das Leben und das Eigentum der Bürger richten. Der pensionierte schwarze Polizeioffizier David Dorn und viele andere wurden von Plünderern erschossen. Und mit diesem Mob soll man sich solidarisieren? Übrigens ist es schon sehr merkwürdig, dass der Tod Floyds Millionen Europäer zu Demonstrationen animiert, während es sie völlig gleichgültig lässt, dass in ihrer nahöstlichen und afrikanischen Nachbarschaft fast täglich Dutzende Menschen abgeschlachtet werden, weil sie Christen sind.

Ich war vier, als ich zum ersten Mal einen schwarzen US-Soldaten sah. Ich rubbelte an seiner Haut, um die Farbechtheit zu überprüfen, denn bei uns zu Hause verdunkelten die Menschen im Fasching ihre Identität mit Schuhpaste. Für die Afrika-Mission sammelten blecherne Negerlein, die nickten, wenn man einen Schilling einwarf. Wir dachten uns nichts dabei, wenn wir uns Negerbrot und Indianerkrapfen kauften, aber weitere rassistische Exzesse sind mir nicht in Erinnerung.  Und ich verspüre gar keine Neigung, mich für Verbrechen entschuldigen, die meine Vorfahren nicht begangen haben.

Rassismus war bis in die 1970er-Jahre kein Thema. Wien wandelte sich erst allmählich in eine Metropole, die Menschen aus der ganzen Welt anzog. Die Stadt erwachte aus dem Koma, sie wurde offener und bunter. Die Zuwanderer assimilierten sich zunächst bereitwillig. Aber je mehr kamen, desto geringer wurde die Bereitschaft zur Anpassung. Obwohl Ressentiments gegen Ausländer immer offener zu Tage traten und rassistische Züge annahmen, ignorierten Politiker und Journalisten besorgte Warnungen vor den negativen Folgen der multikulturellen Überforderung. Straftaten im Migrantenmilieu wurden übersehen, verschwiegen oder relativiert. Dieselben Leute stellen die Polizei und die Behörden jetzt unter den Generalverdacht des „strukturellen Rassismus“. Berlin hat in einem Antidiskriminierungsgesetz sogar die Beweisumkehr verankert. Wenn ein Verdächtiger einem Polizisten Rassismus vorwirft, muss der Polizist den Gegenbeweis antreten.

Indes prügeln sich in Wien türkische Rechtsextreme aus dem Arbeitermilieu mit linksextremen Sprösslingen des Bürgertums. In Stuttgart reagiert eine mit Stangen und Steinen gerüstete „Partyszene“ ihren Frust ab, indem sie Geschäfte plündert und auf Polizisten eindrischt.

Haben wir keine anderen Sorgen, als „Black Lives Matter“ zuliebe billige Betroffenheitsrituale zu zelebrieren? Das Gerede von der Schuld des „weißen Mannes“ lenkt nur von dem echten Problem ab, mit dem Österreicher und Deutsche konfrontiert sind, nämlich vom militanten Antisemitismus der alten und der neuen Nazis sowie der muslimischen Zuwanderer.

15 Gedanken zu „Ich bin ein „weißer Mann“, aber deshalb knie ich mich nicht nieder

  1. LeFeu

    interessant, jemand, der sich auf den christlichen Gott bezieht, ist der Meinung, es gäbe keine Kollektivschuld,dabei baut das ganze Christentum genau auf dieser kollektivschuldidee auf.
    aber halt immer gerade so, wie es grad passt …

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      1. Alexander

        Ich lehne Erbschuld wie auch Kollektivschuld ab. Es macht mich zwar betroffen, was Menschen anderen Menschen angetan haben, sehe aber keinen Grund, mich und andere heute Lebende als dafür in irgendeiner Weise verantwortlich zu sehen. Niemand braucht daran Unbeteiligten ein schlechtes Gewissen einzureden versuchen.

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      2. Dr. Erwin Tripes

        Bitte um Erklärung von Erbschuld versus Kollektivschuldbegriff. Wie wird etwa moralische Schuld (oder Sünde lt. Christenglauben) vererbt?

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      3. Karl-Peter Schwarz Autor

        Es sollte in meiner Antwort natürlich Erbsünde heißen, nicht Erbschuld. Kardinal Newman hat sehr präzis formuliert, worum es dabei nach katholischer Auffassung geht: „Unter Erbsünde verstehen wir etwas Negatives, den Verlust der übernatürlichen, unverdienten Gnade, die Adam und Eva gleich bei ihrer Erschaffung besaßen – den Verlust sowie die Folgen dieses Verlustes“.

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      4. Dr. Erwin Tripes

        Ja, seit der Mitte des 20. JH wandelt sich die kath. Lehre. Es darf weiter um die Glaubenslehre gerungen werden.
        Aber wie wurde dieser Gnadenverlust von A.u.E. übertragen oder vererbt, mit Ausnahme von Maria, der Gottesmutter, die angeblich immer ohne Erbsünde belastet war?
        Und wie kann man eine übernatürliche Gnade (gleich einem Erleuchtungszustand ?) überhaupt gottgewollt wieder verlieren?
        Da scheint mir die buddhistisch Lehre, wonach es eine grundlegende Unwissenheit als Ursache für störende Emotionen gibt, die allerdings überwunden werden kann, einleuchtender.

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      5. Karl-Peter Schwarz Autor

        Ich bin weder Theologe noch Religionswissenschaftler, kann Ihnen also leider keine qualifizierte Antwort geben. Der wichtigste Unterschied zwischen Buddhismus und Christentum scheint mir zu sein, dass der Buddhismus weder einen persönlichen Gott, noch die Sünde kennt. Der Gnadenverlust ist das Ergebis der Rebellion gegen Gott. Damit kam die Sünde in die Welt. Soweit mein laienhaftes Verständnis.

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  2. Bernd Hafner

    Ein guter Journalismus fragt die amerikanischen Polizisten nach den Gründen ihrer Aggression.Ein links-einfältiger verweigert klarerweise die Fragen,weil die Antworten sehr unangenehm sind.Wir informieren uns dazu mit Hilfe des“SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT“,Spezialheft über „Intelligenz“ von 3/1999 und schlagen S.29 auf.Hier sehen wir eine Korrelationskurve über den Zusammenhang von Intelligenz und Sozialverhalten.Bei niedrigen Quotienten sehen wir einen signifikanten Anstieg bei Arbeitslosigkeit,Armut,unehelichen Kindern,permanentem Sozialhilfeempfang ,Abbruch der Highschool und vor allem hoher Kriminalitätsrate.
    Bekannt sollte sein-nicht unbedingt einem modernen Journalisten-,dass Aggressionen meistens Gründe haben,die billigerweise Vorurteile genannt werden.
    Es werden also Fakten geleugnet. Das erinnert uns an den bekannten Satz des Psychiaters Paul Watzlawick: „Wer Fakten leugnet,hat ein psychiatrisches Problem.“ (aus: Die menschliche Kommunikation).

    Daher erwarten wir uns demnächst einen regen Besuch bei Therapeuten,um dort die Realitätsfremdheit behandeln zu lassen.

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  3. beweis

    Ein wirklich toller Text. Aber am Ende wird alles zerstört. Antisemitismus und Nazitum ist derzeit definitiv nicht das zentrale Aggressionsproblem. Wer uns das trotzdem einreden will, der will, dass wir niederknien, weil unsere Vorfahren schlimmste Verbrechen an den Juden begangen haben. Und der kann dann eigentlich auch mal niederknien, weil er weiß auf die Welt gekommen ist.

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  4. Edmund Burke

    Sehr geehrter Herr Schwarz! Haben Sie vielen Dank für Ihre Arbeit. Hatte mein „Presse-Leseverhalten“ schon von Donnerstag auf Mittwoch verlegt. Jetzt habe ich nur noch Freitag (und manchmal Montags) Freude. Heute erschien interessanterweise ein sehr guter Beitrag von Kirschofer-Bozenhardt. Ich werde Ihre Glossen schmerzlich vermissen. Ihr EB

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  5. oesterreich.press

    Der amerikanische (sehenswerte) FOX-News-Moderator Tucker Carlson erklärt die Unterstützung der #BlackLivesMatter-Bewegung durch die US-Demokraten folgendermaßen : Die Polizei ist naturgemäß in ihrer Haltung mehrheitlich rechts. Das stört die Demoraten essenziell. Das große Motto von #BlackLivesMatter lautet : „Defund the Police“ („Streicht der Polizei die Mittel“). Noch besser „Polizei abschaffen“. Natürlich wissen auch die Demokraten, dass es ohne Polizei nicht geht. Der Trick der Demokraten besteht aber darin (siehe Mineapolis), die Polizei aufzulösen, und dann, nachdem das Chaos ausgebrochen ist, die Polizei neu aufzustellen, aber natürlich nicht mit rechten Polizisten, sondern mit Linken, die den Demokraten nahestehen. Es geht einzig um strukturelle Macht und einen ideologischen Austausch der Leute innerhalb der Polizei, – und um diesen Austausch eher unauffällig durchziehen zu können, verwenden Sie #BlackLivesMatter und hoffen, dass niemand dieses Manöver durchschaut. Den Demokraten sind die Anliegen der #BlackLivesMatter-Bewegung völlig egal, diese dient nur dazu ihre Agenda „Umfärben der Polizei“ durchzuführen. Über diesen Aspekt gibt es in Europa keinen einzigen Bericht.

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  6. Brigitte, Katharina Mansour

    Gelesen, für gut befunden und dann auf meine Seite gestellt , hab ich es, weil mir gefiel. was Du geschrieben hast. Kommentieren will ich es nicht, weil jeder Mensch zu so heiklen Themen einen anderern Denkzugang hat. Wichtig is mir persönlich auch nur, dass jeder Jeden damit in Ruhe lässt. Es ist legitim, so zu fühlen und Denken, wie es seiner Natur entspricht. Die Deine ist gesund und vieles was dazwischen liegt, ebenso! Wenn aber die Menschheit noch zu blöd ist, die falschen Moralisten durch Ignoranz zu entfernen, wird das so weiter gehen. Besonders die Dümmsten tun, was Du geschildert hast. Sie rotten sich entweder politisch zusammen, oder zu Moralapostelvereinen und machen sich wichtig. Soll man sich von denen Grenzen setzen lassen? Nein! Das tut man aber bereits, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt – selbst wenn die negativ ist!

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