Benedikt XVI. in der Heimat, die von ihm nichts mehr wissen will

Um Abschied von seinem Bruder Georg zu nehmen, reiste Joseph Ratzinger nach Regensburg. Das katholische Bayern seiner Jugend gibt es längst nicht mehr.

„Wir sind Papst“, lautete die prägnante Schlagzeile der „Bild-Zeitung“ am Tag nach der Papstwahl vom 19. April 2005. „Wir wollen nicht mehr Papst sein“, korrigierte die „Süddeutsche Zeitung“ vier Jahre später. In seiner Heimat ist der Papa emeritus alles andere als populär. Im deutschen Katholizismus setzt sich gegen seinen Widerstand eine Wende durch, die einer zweiten Reformation ähnelt. Dreimal kam Benedikt XVI. nach Deutschland. Von Mal zu Mal wurde das Klima frostiger, der Protest heftiger. Über den Besuch des Emeritus bei seinem sterbenden Bruder, Georg, in Regensburg berichteten die italienischen Medien in diesen Tagen emphatischer als die deutschen.

Als Joseph Ratzinger 1977 zum Erzbischof von München ernannt wurde, gab es in der Stadt noch mehr als 60 Prozent Katholiken. Jetzt sind es nur noch 30 Prozent. Der Anteil der Evangelischen verringerte sich seither von knapp 20 auf elf Prozent. Nahezu 60 Prozent der Münchner bekennen sich zu keiner Religionsgemeinschaft mehr. Die „apertura“ zur Welt, die der gegenwärtige Erzbischof, Reinhard Marx, mit so großer Inbrunst betreibt, hält die Gläubigen nicht nur nicht in den Kirchen, sie vertreibt sie aus ihnen. Wer braucht auch schon eine entkernte katholische Kirche light als humanistischen Weltanschauungs-, Weltbelehrungs- und Weltverbesserungsverein.

Um Benedikt XVI. rankt sich die Legende vom progressiven Theologen des II. Vatikanischen Konzils (1962–1965), der sich im Laufe der Jahre in einen bockigen Reaktionär verwandelt habe. „Klar war ich progressiv“, sagte er seinem Biografen Peter Seewald. „Damals war progressiv aber noch nicht, dass man aus dem Glauben ausbricht, sondern dass man ihn besser verstehen lernt und ihn richtiger, von den Ursprüngen her, lebt.“ („Benedikt XVI.: Ein Leben“, 2020)

Joseph Ratzinger ist sich treu geblieben. Für die Kirche lässt sich das nicht sagen. Er musste erleben, dass er ihren Niedergang in Europa weder aufhalten noch verlangsamen konnte. Das Konzil, sagte er, habe die Absicht gehabt, das „heilige Depositum der christlichen Lehre“ im Blick auf die Gegenwart zu bewahren und zu lehren. Die theologische Leistung, dieses Depositum gesichert und weitergegeben zu haben, überragt jene der Päpste des 20. Jahrhunderts ebenso wie die seines Nachfolgers Franziskus.

https://www.diepresse.com/5829856/benedikt-xvi-in-der-heimat-die-von-ihm-nichts-mehr-wissen-will

 

 

Ein Gedanke zu „Benedikt XVI. in der Heimat, die von ihm nichts mehr wissen will

  1. Bernd Hafner

    Vor kurzem sagte der neue Bischof Franz Lackner in einem PRESSE-Interview:“Der Islam ist eine ehrwürdige Religion,die unseren Respekt verdient….
    Bei hunderten Millionen weltweit verfolgter Christen,von denen alle 5 Minuten einer ermordet wird(Aussage Elmar Kuhn),macht 100.000 Tote im Jahr,ist es gut,dass dieser Verein seiner Bestimmung entgegen geht,also verschwindet.Aber es dauert.Wie Karlheinz Deschner schon sagte: Ein Elefant verfault auch nicht an einem Tag.

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