Krummes Holz, krumme Linien und der neueste Denkmalsturm

„Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft, wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ (George Orwell, „1984“)

Denkmäler bilden reale Menschen ab, die auch Schwächen hatten und von den Urteilen und Vorurteilen ihrer Zeit geprägt waren. Nicht nur Plato, Aristoteles, Washington und Jefferson lebten von Sklavenarbeit, sondern auch eine Unzahl von arabischen und afrikanischen Menschenhändlern. Die Geschichte lässt sich nicht in Schwarz-Weiß darstellen. „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden“, sagte Kant, der übrigens auch schon unter Rassismus-Verdacht steht. Paul Claudel fand Trost in dem Glauben, dass Gott auf krummen Linien gerade schreibt.

Daran sollte man denken, wenn sich der antirassistische Mob zum klammheimlichen Gaudium der rassistischen Neonazis an Churchill-Statuen vergeht. Auf der immer länger werdenden Liste der kulturrevolutionären Denkmalstürmer stehen jetzt schon Columbus und Newton. Die Judenhasser Shakespeare (Shylock!), Luther, Bach, Marx und Wagner sind vorläufig noch sicher, weil die antirassistischen Entkolonialisierer sowieso auch gegen Israel und das internationale Finanzkapital sind. Das Drehbuch für den Film „Vom Winde verweht“, den HBO im antirassistischen Vorausgehorsam aus dem Angebot strich, stammte übrigens von Ben Hecht, dessen jüdische Eltern aus Minsk kamen und der mit dem Zionismus sympathisierte.

Die Parole der Partei in Orwells „1984“ lautete: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft, wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ In der chinesischen Kulturrevolution kämpften die roten Garden gegen „alte Ideen, alte Sitten, alte Gewohnheiten und alte Kultur“. Das war Umerziehung, wie sie Orwell in „1984“ schilderte: „Wir vernichten unsere Feinde nicht bloß, wir verändern sie.“ Orwell warnte eindringlich davor, durch die Zerstörung der Tradition dem Totalitarismus den Boden zu bereiten.

So absurd der Denkmalsturm erscheinen mag, er dürfte wohl nur Leute überraschen, die die vergangenen 50 Jahre verschlafen haben. Die Kulturrevolution, die im Westen in den späten 1960er-Jahren begann, ist so weit fortgeschritten, dass naturgegebene Unterschiede zwischen Menschen überhaupt geleugnet werden und dass sogar die Existenz von zwei Geschlechtern bestritten wird. Als sich die engagierte Feministin und Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling über das Neusprech „Menschen, die menstruieren“ lustig machte, brach ein Sturm der Empörung los.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fällt es schwer, mich in diesem Wahnsinn noch besonders über die Beschädigung oder Zerstörung von Denkmälern aufzuregen.

2 Gedanken zu „Krummes Holz, krumme Linien und der neueste Denkmalsturm

  1. Anonymous

    Selbstverständlich sind alle Menschen und Kulturen gleich.Größe,Augen-u. Haarfarbe,sowie Intelligenz und Verhalten zeigen keinerlei Unterschiede.Es gibt keinen kulturellen Unterschied zwischen Ghana und Norwegen.Mit der Intelligenzgleichheit verhält es sich ähnlich.Es gibt afrikanische und muslimische Einsteins,Nietzsches und Newtons,sie sind nur leider noch nicht an die Öffentlichkeit getreten.Auch die Tiere einer Art sind gleich.Wer glaubt,Enten oder Pferde würden unterschiedlich aussehen,irrt und ist ein Fall für den Augenarzt. Leider gibt es auch Wissenschafter,sogar Psychiater,die das noch nicht erfasst haben.Hat doch der Psychiater H.J.Eysenck ein Buch-Die Ungleichheit des Menschen-geschrieben(1973)Ein klarer Fall von schwerem Vergehen gegen die politische Korrektheit.

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  2. Biologist

    Die Frage ist: Wie geht man als Beobachter damit um? Wehren kann man sich nur schwer, denn der Zugang zu den Lautsprechern der Gesellschaft ist ja weitgehend auf die politisch-korrekte Elite beschränkt.

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