Ist der Austritt Großbritanniens der Anfang vom Ende der EU?

Die Reaktionen auf den Brexit lassen befürchten, dass die EU nicht bereit ist, ihren zentralistischen Kurs zu ändern. Sie riskiert damit, an ihm zu scheitern.

Den Traum von einem europäischen Großstaat haben schon viele geträumt. Napoleon und Hitler sind an dem Versuch gescheitert, ihn mit Gewalt herzustellen. Es ist bisher auch noch nicht gelungen, durch die zunehmende Entrechtung der Nationalstaaten in einer „ever closer union“, in einer immer engeren Union, einen föderalen Superstaat zu realisieren.

Einen solchen Staat, der eine artifizielle europäische Identität an die Stelle der historisch gewachsenen nationalen Identitäten setzt, wollen nicht nur die Briten nicht, sondern auch die anderen europäischen Völker nicht. Es geht in Europa eben nicht nur um Wirtschaft. Die entscheidende Frage betrifft die nationale Souveränität, die sich mit der Suada von den europäischen Gemeinsamkeiten nicht aus der Welt schaffen lässt. Haben Italiener, Franzosen und Deutsche wirklich die gleichen wirtschaftlichen Interessen? Haben Holländer und Rumänen, Kroaten und Schweden, Polen und Portugiesen wirklich das gleiche Wertesystem? Die Sphäre der Werte und der Interessen der europäischen Völker ist unendlich reicher und wesentlich wirksamer, als die Zentralisten wahrhaben wollen.

Die Vorstellung, nach dem Ausscheiden der Briten würde es leichter werden, die Union noch enger zusammenzuführen, ist abwegig. Allein schon durch den Ausfall der britischen Beitragszahlungen wird es schwieriger, die unbotmäßigen Länder bei Laune und an der Leine zu halten.

Ein knappes Jahr ist es her, dass Guy Verhofstadt die Tories um Boris Johnson und Jacob Rees-Mogg warnte, sie könnten wie Danton und Robespierre auf dem Schafott enden, weil die einfachen Leute ihre Politik nicht schätzten („Independent“, 12. 2. 2019). Die Geschichte nahm einen etwas anderen Verlauf, als er erwartete. Hoffentlich wird ihn einmal ein milderes Schicksal ereilen als jenes, das er den Brexiteers in Aussicht stellte.

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