Gibt es einen Ausweg aus der demografischen Falle?

Nur Japan altert rascher. Nicht der Klimawandel, sondern der drastische Rückgang der Geburten ist die größte Herausforderung der europäischen Länder.

In Europa sterben die Völker allmählich aus. Nur die Japaner haben noch weniger Kinder. Eine bestandserhaltende Fertilitätsrate (2,1 Geburten pro Frau) wird in keinem EU-Mitgliedsland mehr erreicht. In Ungarn (1,54) und in Österreich (1,52) ist die Fertilität geringer als im EU-Durchschnitt (1,59). Die Vereinten Nationen schätzen, dass Österreich in 30 Jahren dennoch um 16 Prozent mehr Einwohner haben wird, Ungarn hingegen trotz seiner etwas höheren Fertilitätsrate um 20 Prozent weniger.

Anders als Ungarn kompensiert Österreich den Geburtenrückgang durch verstärkte Zuwanderung. Es folgt damit – wie die meisten EU-Länder – den UN-Empfehlungen („Replacement Migration“). Da die Massenmigration bei den Bürgern nicht gut ankommt, beteuern die Regierungen, die Einwanderung beschränken zu wollen. In Wirklichkeit halten sie die Schleusen offen.

Gegen mehr Zuwanderer wäre nichts einzuwenden, falls sie leistungs- und assimilationsbereit wären. Aber während hochqualifizierte heimische Arbeitskräfte abwandern, nehmen wir vorwiegend Migranten auf, die erst nach Jahren fit für den Arbeitsmarkt sind. Die Kosten dieser nicht selektiven Zuwanderung übersteigen ihren gesellschaftlichen Nutzen. Und sie verändert Europa. Der Anteil der Muslime (in der EU etwa fünf Prozent) könnte – falls die gegenwärtige Migrationspolitik beibehalten wird – bis 2050 auf 14 Prozent wachsen. Spätestens dann wird der Kontinent ein anderer sein.

Ungarn geht seinen eigenen Weg. Es will mit einer großzügigen Familienförderung der demografischen Falle entkommen. 50.000 Paare haben heuer bereits einen Antrag auf einen subventionierten Kredit gestellt, der zur Gänze rückzahlungsfrei ist, wenn die Frau bis zu ihrem 41. Lebensjahr drei Kinder zur Welt bringt. Sind es zwei Kinder, müssen zwei Drittel zurückgezahlt werden. Anspruchsberechtigt sind nur verheiratete Paare. So viel wie heuer wurde in Ungarn seit Langem nicht mehr geheiratet.

Ob der Geburtenboom so kräftig ausfallen wird, wie es sich Orbán erhofft, bleibt abzuwarten. Es reicht nämlich nicht, dass sich die Familien Kinder leisten können. Selbst wenn es gelingen sollte, die Arbeitswelt so kinderfreundlich zu gestalten, dass Frauen drei und mehr Kinder großziehen und dennoch ihren Beruf ausüben können, wird das wenig nützen, wenn es nicht auch zu einer tief greifenden geistigen und kulturellen Wende kommt. Der Geburtenrückgang ist nicht nur materiell bedingt. Unser Zeitgefüge hat sich verändert. Die Bereitschaft, für eine Zukunft jenseits der eigenen Lebenserwartung Opfer zu bringen, ist geschwunden. Auf „Selbstverwirklichung“ kommt es an, auf Spaß und Erfolg, jetzt und sofort.

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