Archiv für den Monat Oktober 2019

Peter Handke ist nur Schriftsteller, kein Hohepriester der Moral

In der Debatte um den Nobelpreis für Peter Handke vermischen sich literarische und moralische Wertungen. Sie sollten fein säuberlich getrennt werden.

Viele Nobelpreisträger waren schamlose Opportunisten, manche geradezu Weltmeister im angestrengten Wegschauen und Relativieren von Menschenrechtsverletzungen, sofern sie von der „richtigen Seite“ begangen wurden. Es war ja auch bisher nicht so, dass die Stockholmer Akademie immer den Menschen hinter dem Werk gerecht und vorurteilslos beurteilt hätte. Ähnlich wie Handke hatte Harold Pinter (Nobelpreis 2005) dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag die Legitimität abgesprochen und die Freilassung von Milošević gefordert. Castro-Freund Gabriel García Márquez (1982) verharmloste den Terror in Kuba, Pablo Neruda (1971) hatte Oden auf Stalin verfasst, Michail Scholochow (1965) war der Schönschreiber der KPdSU gewesen. Jean-Paul Sartre (1964) kokettierte mit kommunistischen Diktatoren und setzte sich am Ende sogar noch für die Baader-Meinhof-Bande ein. Luigi Pirandello, ein überzeugter Faschist und Mussolini-Verehrer, erhielt den Nobelpreis ausgerechnet 1934. Die Liste der moralischen Streitfälle unter Preisträgern, deren literarische Leistungen häufig außer Streit standen (der mutmaßliche Plagiator Scholochow war die große Ausnahme), ist keineswegs vollständig.

Sie alle wirkten durchaus nicht „in idealistischer Richtung“, wie es sich Alfred Nobel in seinem Testament gewünscht hatte. Auch an den Poetae laureati ist das Zeitalter der mörderischen Ideologien nicht spurlos vorübergegangen. Das Problem sind die hypermoralischen Ansprüche, die an sie gestellt werden. Es war kein Fehler, dass der Nobelpreis Peter Handke zugesprochen wurde. Schade nur, dass ihn – unter anderem – nicht auch Grenzgänger wie Ezra Pound, Ernst Jünger, Vladimir Nabokov und Heimito von Doderer erhalten haben.

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Wird es bald auch eine „Grüne Armee Fraktion“ geben?

Extinction Rebellion, die radikalste der Klimabewegungen, blockiert den Verkehr in 60 Städten der Welt. Ihr Ziel ist der Sturz unseres Wirtschaftssystems.

Die Klimafreaks glauben, dass die Menschheit an der selbst verschuldeten Erderwärmung zugrunde gehen wird, wenn sie ihre Lebensweise nicht sofort aufgeben und ein natürliches Gleichgewicht herstellen sollte, wie es angeblich vor der Industrialisierung geherrscht habe. Da die Menschen das nicht wollten, müssten sie dazu gezwungen werden. Extinction Rebellion ist durch und durch totalitär.

Man kann lang darüber diskutieren, ob die Übernahme einer totalitären Ideologie der Radikalisierung von Jugendlichen vorausgeht, oder ob diese sich nur die Ideologie zu eigen machen, die sie in ihrer aggressiven Ablehnung des Status quo am meisten bestärkt. Vor dem Hintergrund apokalyptischer Szenarien, die absolute „wissenschaftliche“ Geltung beanspruchen, gedeiht die hypermoralische Anmaßung, die Menschheit retten zu können: „Unite behind science“. Die jungen Fanatiker sind überzeugt davon, dass sie „auf der richtigen Seite der Geschichte“ stehen und fühlen sich legitimiert, Recht zu brechen. Das ist eine hochexplosive Mischung.

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Klimapolitik: Angst ist ein schlechter Ratgeber, besonders in der Politik

Mit der „Klimakatastrophe“ fängt man Wähler. Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, brauchen wir statt Angstmacherei Optimismus und Zuversicht.

Es gibt kein „natürliches Gleichgewicht“, das wir bewahren könnten, keine „Idealtemperatur“, die anzustreben wäre. Die Anmaßung, den Klimawandel „einzufrieren“, ist lächerlich. Statt dogmatisch an dem Ziel festzuhalten, den Anstieg der Durchschnittstemperatur, gemessen an der Zeit vor der Industrialisierung, auf zwei Grad zu begrenzen, sollte eine realistische Kosten-Nutzen-Analyse angestellt werden. Ungeachtet des Kyoto-Protokolls und einer Vielzahl von nationalen Initiativen hat sich der CO2-Ausstoß seit 1990 verdoppelt, und er wird weiter ansteigen, solang wir auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Statt ihre Verwendung zu verbieten, müsste alles getan werden, um Technologien zu entwickeln, die sie einmal wirklich ersetzen können.

In Wien zogen am vergangenen Freitag Tausende Klimabewegte, unter ihnen zahlreiche Politiker, am Burgtor vorbei, an dem ein Transparent mit der Aufschrift „Capitalism Kills Our Future“ hing. „Capitalism Saves Our Future“ wäre die richtige Losung gewesen. Statt die Marktwirtschaft zu bekämpfen, brauchen wir die besten Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion, um die negativen Folgen des Klimawandels (es gibt auch positive!) so gering wie möglich zu halten.

https://www.diepresse.com/5700032/angst-ist-ein-schlechter-ratgeber-besonders-in-der-politik#kommentare