Geschichtspolitik: Eine Hütte in Gori, ein Haus in Braunau

Der Streit um die Enteignung des Hitler-Geburtshauses ist beendet. Jetzt geht es um eine vernünftige Nutzung, und dafür gibt es längst ein gutes Konzept.

Braunau am Inn, Salzburger Vorstadt 15, ein Biedermeierhaus unter Denkmalschutz. In einer Wohnung dieses Hauses kam am 20. April 1889 Adolf Hitler auf die Welt. Es als „Hitler-Haus“ zu bezeichnen, ist eine Irreführung, denn in Braunau hielt sich die Familie nur drei Jahre auf, dann übersiedelte sie nach Passau. Die Kontroverse darüber, was man mit dem Gebäude anfangen sollte, ist fast noch grotesker als die georgische.

Während dort der Nationalismus die Erinnerung an den „größten Georgier aller Zeiten“ hochhält, regiert in Österreich die Kultur der Verdrängung und des Verschweigens. Der absurdeste Vorschlag kam 2016 vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka, der das Haus gleich ganz schleifen lassen wollte „wie das Fritzl-Haus in Amstetten“. Eine von der Regierung Kern einberufene Kommission schlug vor, es gründlich umzubauen, um „Wiedererkennungswert“ und „Symbolkraft“ auf Dauer zu unterbinden. Das Haus wurde enteignet. Am Montag entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Streit mit der Alteigentümerin über die Höhe der Entschädigung zugunsten der Republik.

Dieser kommt es vor allem darauf an, dass das Haus nicht für NS-Wiederbetätigung missbraucht wird. Um das zu verhindern, stehen ihr alle rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung.

https://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/karlpeterschwarz/5670908/Geschichtspolitik_Eine-Huette-in-Gori-ein-Haus-in-Braunau

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