Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter?

Früher konnte man mittelalterliche Geschichte studieren, ohne von bigotten Moralisten und Postmarxisten belästigt zu werden. Das hat sich leider geändert.

Wer „Islamophobie“ in eine Internet-Suchmaschine eingibt, erhält rund zwei Millionen Ergebnisse, bei „Christenverfolgung“ nur eine halbe Million. Ein von der Muslimbruderschaft in die Welt gesetztes ideologisches Konstrukt, das jegliche Kritik am Islam als „rassistisch“ diffamiert, bekommt also bei weitem mehr Aufmerksamkeit als die Tatsache, dass das Christentum die weltweit am meisten unterdrückte Religionsgemeinschaft ist. 200 Millionen Christen werden ihres Glaubens wegen verfolgt. Ein im Auftrag der britischen Regierung erstellter Bericht, der im Mai vorgestellt wurde, stellt fest, dass das Ausmaß der Christenverfolgung es rechtfertigt, von Genozid zu sprechen. Am meisten gefährdet sind Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern. Zugleich aber ist der Islam die am wenigsten verfolgte religiöse Minderheit.

„Politische Korrektheit“, sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt bei der Präsentation des Berichts, sei für die Passivität der Regierungen angesichts des anhaltenden Terrors gegen Christen verantwortlich. Nach den Massakern in Sri Lanka drückten sich Politiker der EU um das Eingeständnis, dass die Bomben möglichst viele Christen töten sollten. Die EU-Außenbeauftrage Federica Mogherini behauptete in krassem Widerspruch zu den Fakten, die „Gewalttaten am Ostersonntag“ hätten sich „gegen alle Glaubensrichtungen“ gewendet. Islamisten als Täter, das geht in Ordnung, doch Christen als Opfer? Im Falle der Massaker im neuseeländischen Christchurch waren die Dinge einfacher. „Wer Muslime angreift, greift uns alle an“, trompetete damals die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Warum konnte sie sich nach den Bombenanschlägen in Sri Lanka nicht zu dem Satz durchringen „Wer Christen angreift, greift uns alle an“?

Wer solche Fragen stellt, bekommt es mit den Hütern der „politischen Korrektheit“ zu tun. Der Brite Roger Scruton gehört zu den prominentesten konservativen Philosophen. Als er in einem Interview mit einer linken Zeitschrift den Kampfbegriff der „Islamophobie“ kritisierte, wurde er als „Rassist“ abgestempelt und Teresa May enthob ihn seines Ehrenvorsitzes in einer Regierungskommission, die sich mit der Ästhetik des Wohnbaus befasst. Wenn sich die Linken auf einen Konservativen einschießen, wird er in der Regel rasch allein gelassen.

An der Universität Chicago richtet sich der Furor gegen die Mediävistin Rachel Fulton Brown. Ihren Fall schildert Milo Yiannopoulos als ein Beispiel für die Inszenierung akademischer Schmutzkampagnen („Middle Rages. Why the Battle for Medieval Studies Matters to America”, Dangerous Books 2019). Fulton Brown hat sich auf das Christentum des lateinischen Mittelalters spezialisiert, mit dem Schwerpunkt Marienverehrung. Man möchte annehmen, dass dies kein Forschungsgebiet ist, für das sich linke Aktivisten besonders interessierten. Aber dem ist nicht so. Gerade weil die Mediävistik nicht schon seit Jahrzehnten von Postmodernisten und Postmarxisten beherrscht wird, kann sie noch erobert werden von zu kurz gekommenen Akademikern, die ihre Karriere lieber mit wohlfeiler Kritik an Rassismus und Homophobie bestreiten, als sich mit lateinischen Texten herumzuschlagen. 1500 von ihnen unterzeichneten einen Aufruf, der Rachel Fulton Brown als „Rassistin“ verleumdet, weil sie in ihrem Blog, der sie über den Kreis der Fachgelehrten bekannt machte, die christliche Identität des europäischen Mittelalters betonte.

Der westliche Sonderweg, inklusive Menschenrechte, Toleranz und Trennung von Kirche und Staat, ruht aber nun einmal auf Fundamenten, die im christlichen Mittelalter gelegt wurden und die sich gewaltig von jenen des islamischen Kulturkreises unterscheiden. „Learn some fucking history“ rief Rachel Fulton Brown ihren Verleumdern zu. Diesen Rat hat schon Bruno Kreisky erteilt. Hat aber auch nichts geholfen.

3 Gedanken zu „Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter?

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