Archiv für den Monat Juni 2019

Putin nimmt sich Hitlers Tausend-Mark-Sperre als Vorbild « DiePresse.com

Ökonomische Sanktionen, politische Destabilisierung und militärische Bedrohung sind die Methoden, mit denen Putin die ehemaligen Sowjetrepubliken erpresst, die sich der Nato annähern möchten: Georgien, Moldawien, Ukraine.

Das ist derselbe russische Präsident, der sich gegen die Sanktionen verwehrt, die wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim gegen sein Land verhängt wurden. Unter wirtschaftlichen Sanktionen leiden allerdings vor allem kleine und schwache Länder. Russland ließ sich davon bisher nicht von seinem Kurs abbringen. Da müsste die Nato schon mit einer glaubwürdigen militärischen Abschreckung reagieren, wie sie Polen und die baltischen Republiken schon seit langem fordern.Doch zu einem solchen mutigen Schritt fehlt es in Westeuropa an Weitsicht und politischem Willen.

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Gleichheit und Freiheit lassen sich nicht vereinbaren « DiePresse.com

Die Geschichte des Sozialismus beginnt nicht erst mit Marx und dem „Kommunistischen Manifest“. Seine Wurzeln reichen bis in die Vorzeit zurück, als die ersten Staaten entstanden, die die Produzenten niederhalten konnten, um deren Produkte an die zu verteilen, die keinen Anteil an dessen Herstellung hatten. Seit jeher teilen alle Sozialisten den Wunsch nach möglichst vollkommener Gleichheit. Leider aber ist Gleichheit ohne Beschränkung der Freiheit nicht zu haben. Das ist das Grundproblem, an dem bisher noch alle sozialistischen Experimente gescheitert sind. Zuletzt in Venezuela, mit katastrophalen Folgen.
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Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter? Ein Briefwechsel über eine Glosse.

Leserbrief zu: Karl-Peter Schwarz, Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter. Quergeschrieben, 6. Juni 2019

In „Quergeschrieben“ vom 6. Juni 2019 bedauert Karl-Peter Schwarz, dass Studenten der mittelalterlichen Geschichte nun auch von „bigotten Moralisten und Postmarxisten belästigt“ würden. Er bezieht sich dabei auf die Debatte um die Chicagoer Mediävistin Rachel Fulton Brown auf der Grundlage des von Milo Yiannopoulos verfassten Buches „Medieval Rages“ (2019). Nun mag der mehrfache Studienabbrecher Yiannopoulos, der mit seinen absurden Aussagen zu Homosexualität, Migration und Pädophilie selbst bei dem früher von Stephen Bannon betriebenen Breitbart News Network keine publizistische Bleibe finden konnte, a priori nicht die geeignete Auskunftsperson über den gegenwärtigen Zustand irgendeiner akademischen Disziplin sein. Zumindest sollte man sich auf dieser Grundlage kein Generalverdikt über die Mittelalterstudien erlauben.

Dass die Gefahr bestünde, dass „wohlfeile Kritik an Rassismus und Homophobie“ die ernsthafte Beschäftigung mit den mittelalterlichen Texten ersetzen würde, ist schlichtweg unsinnig, wenn man nur einigermaßen die Forschung im Auge hat. Richtig ist hingegen, dass aktuelle theoretische und methodische Ansätze einen neuen Blick auf den Kontext und die Intentionen mittelalterlicher Quellen erlauben. Deutlich wird damit die Vielfalt und Komplexität der mittelalterlichen Gesellschaften jenseits früherer Klischees der „dunklen Jahrhunderte“, aber auch der Idyllisierung eines „harmonischen christlichen Europa“ wie etwa bei Novalis 1799. Wenn Schwarz also Fulton Brown mit „Learn some fucking history!“ zitiert, dann sei dies auch ihm ans Herz gelegt. Die Grundlage dafür wird er allerdings nicht in den Streitschriften von Vertretern der Alt-Right-Bewegung finden, sondern in der blühenden Forschungslandschaft der Mittelalterstudien; nächste Gelegenheit dazu wäre der International Medieval Congress in Leeds Anfang Juli mit mehr als 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt.

 

Dr. Johannes Preiser-Kapeller,

Institut für Mittelalterforschung/Abt. Byzanzforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, 1020 Wien

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr Dr.Preisler-Kapeller,

die alte Kulturtechnik des sorgsamen Lesens gerät leider zunehmend in Vergessenheit. Bei einer unbefangenen Lektüre meiner Glosse, sine ira et studio, wäre Ihnen sicher aufgefallen, das ich mir mitnichten ein „Generalverdikt über die Mittelalterstudien“ erlaubt, mich gegen neue Methoden und Gesichtspunkte der Forschung ausgesprochen oder behauptet habe, die jüngeren Historiker gingen generell der seriösen Arbeit aus dem Weg. Meine Glosse beschäftigte sich mit einem ganz konkreten Fall, nämlich der Rufmordkampagne linker Studenten und akademischer Rabauken, die eine international renommierte und mehrfach ausgezeichnete Mediävistin der Universität Chicago als „white suprematist“ und „Rassistin“ beschimpften. Die Universität hat sie nach einigem Zögern gegen diese Angriffe verteidigt, und das hätte ich eigentlich auch von Ihnen erwartet. Dass die Meinungsfreiheit an den amerikanischen Universitäten in Gefahr ist, dürfte Ihnen als Zeitungsleser vermutlich nicht entgangen sein.

Meine Generation hat im Gymnasium noch gelernt, auf Argumente ad rem nicht mit Argumenten ad personam zu antworten. Genau das tun Sie aber. Es ist völlig belanglos, was Sie über Milo Yiannopoulos zu wissen glauben, welche sexuellen oder politischen Vorlieben er hat, oder was Steve Bannon von ihm hält. Milo Yiannopoulos ist Journalist. Er erfuhr von der Kampagne gegen Rachel Fulton Brown, fuhr nach Chicago, sprach mit ihren Freunden und ihren Gegner, wog die Argumente gegeneinander ab und machte daraus ein überaus lesenwertes und lesbares Buch, das Sie offenbar nicht gelesen haben. Rachel Fulton Brown ist ihm dankbar dafür, und ich ihr, dass sie auf meine kleine Glosse heute mit „Danke! This is excellent! I shared it with Milo“ reagierte.

Ihren Rat, Geschichte zu lernen, beherzige ich gern. Ich lerne seit bald fünfzig Jahren Geschichte, habe in meinem Beruf enorm davon profitiert und werde damit nie aufhören. Sie haben das große Privileg, Geschichte als Beruf betreiben zu können. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Wäre nicht schlecht, wenn die Geschichte Sie auch ein bisschen Bescheidenheit lehren würde.

Mit freundlichen Grüßen,

Karl-Peter Schwarz

Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter?

Früher konnte man mittelalterliche Geschichte studieren, ohne von bigotten Moralisten und Postmarxisten belästigt zu werden. Das hat sich leider geändert.

Wer „Islamophobie“ in eine Internet-Suchmaschine eingibt, erhält rund zwei Millionen Ergebnisse, bei „Christenverfolgung“ nur eine halbe Million. Ein von der Muslimbruderschaft in die Welt gesetztes ideologisches Konstrukt, das jegliche Kritik am Islam als „rassistisch“ diffamiert, bekommt also bei weitem mehr Aufmerksamkeit als die Tatsache, dass das Christentum die weltweit am meisten unterdrückte Religionsgemeinschaft ist. 200 Millionen Christen werden ihres Glaubens wegen verfolgt. Ein im Auftrag der britischen Regierung erstellter Bericht, der im Mai vorgestellt wurde, stellt fest, dass das Ausmaß der Christenverfolgung es rechtfertigt, von Genozid zu sprechen. Am meisten gefährdet sind Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern. Zugleich aber ist der Islam die am wenigsten verfolgte religiöse Minderheit.

„Politische Korrektheit“, sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt bei der Präsentation des Berichts, sei für die Passivität der Regierungen angesichts des anhaltenden Terrors gegen Christen verantwortlich. Nach den Massakern in Sri Lanka drückten sich Politiker der EU um das Eingeständnis, dass die Bomben möglichst viele Christen töten sollten. Die EU-Außenbeauftrage Federica Mogherini behauptete in krassem Widerspruch zu den Fakten, die „Gewalttaten am Ostersonntag“ hätten sich „gegen alle Glaubensrichtungen“ gewendet. Islamisten als Täter, das geht in Ordnung, doch Christen als Opfer? Im Falle der Massaker im neuseeländischen Christchurch waren die Dinge einfacher. „Wer Muslime angreift, greift uns alle an“, trompetete damals die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Warum konnte sie sich nach den Bombenanschlägen in Sri Lanka nicht zu dem Satz durchringen „Wer Christen angreift, greift uns alle an“?

Wer solche Fragen stellt, bekommt es mit den Hütern der „politischen Korrektheit“ zu tun. Der Brite Roger Scruton gehört zu den prominentesten konservativen Philosophen. Als er in einem Interview mit einer linken Zeitschrift den Kampfbegriff der „Islamophobie“ kritisierte, wurde er als „Rassist“ abgestempelt und Teresa May enthob ihn seines Ehrenvorsitzes in einer Regierungskommission, die sich mit der Ästhetik des Wohnbaus befasst. Wenn sich die Linken auf einen Konservativen einschießen, wird er in der Regel rasch allein gelassen.

An der Universität Chicago richtet sich der Furor gegen die Mediävistin Rachel Fulton Brown. Ihren Fall schildert Milo Yiannopoulos als ein Beispiel für die Inszenierung akademischer Schmutzkampagnen („Middle Rages. Why the Battle for Medieval Studies Matters to America”, Dangerous Books 2019). Fulton Brown hat sich auf das Christentum des lateinischen Mittelalters spezialisiert, mit dem Schwerpunkt Marienverehrung. Man möchte annehmen, dass dies kein Forschungsgebiet ist, für das sich linke Aktivisten besonders interessierten. Aber dem ist nicht so. Gerade weil die Mediävistik nicht schon seit Jahrzehnten von Postmodernisten und Postmarxisten beherrscht wird, kann sie noch erobert werden von zu kurz gekommenen Akademikern, die ihre Karriere lieber mit wohlfeiler Kritik an Rassismus und Homophobie bestreiten, als sich mit lateinischen Texten herumzuschlagen. 1500 von ihnen unterzeichneten einen Aufruf, der Rachel Fulton Brown als „Rassistin“ verleumdet, weil sie in ihrem Blog, der sie über den Kreis der Fachgelehrten bekannt machte, die christliche Identität des europäischen Mittelalters betonte.

Der westliche Sonderweg, inklusive Menschenrechte, Toleranz und Trennung von Kirche und Staat, ruht aber nun einmal auf Fundamenten, die im christlichen Mittelalter gelegt wurden und die sich gewaltig von jenen des islamischen Kulturkreises unterscheiden. „Learn some fucking history“ rief Rachel Fulton Brown ihren Verleumdern zu. Diesen Rat hat schon Bruno Kreisky erteilt. Hat aber auch nichts geholfen.