„Bevölkerungsaustausch“ haben nicht Rechtsextreme erfunden

Historisch gehört er zu den Methoden der „ethnischen Säuberung“. Bezogen auf die Migrationskrise ist der Begriff irreführend. Aber rechtsextrem ist er nicht.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es auf dem Balkan einen Bevölkerungsaustausch zwischen Bulgarien und dem Osmanischen Reich. In die Geschichte des Völkerrechts ging die Lausanner Konvention ein, die 1923 unter den Auspizien des Völkerbunds und der Großmächte beschlossen wurde und reziproke Zwangsumsiedlungen zwischen Griechenland und der Türkei nach der Religionszugehörigkeit vorsah. Ein halbe Million Muslime und 1,3 Millionen Orthodoxe verloren damals ihre Heimat. Lausanne war der Dammbruch. Von da an glaubte man in Europa, Minderheitenprobleme durch Zwangsmigrationen lösen zu können. Hitler und Stalin siedelten Millionen Menschen um. Nach dem Krieg bedienten sich auch die westlichen Großmächte bedenkenlos dieser Instrumente. Europa war von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität gelangt.

Diese Vorgänge haben jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit dem Ansturm der Migranten auf Europa, wie wir ihn heute erleben. Niemand wird gezwungen, seine Heimat zu verlassen und nach Europa zu ziehen. Die große Wanderung hat nicht nur eine, sondern zahlreiche und vielfältige Ursachen. Der Begriff des Bevölkerungsaustausches trägt überhaupt nichts dazu bei, das Wesen dieser großen Wanderungsbewegungen zu verstehen. Im Gegenteil, er erschwert das Verständnis, verschleiert die wirklichen Zusammenhänge und suggeriert abstruse Verschwörungstheorien. Das Problem ist nicht, dass globale Eliten vereinbart hätten, Millionen aus anderen Kontinenten in Europa anzusiedeln, sondern dass sie diese Immigration billigend zur Kenntnis nehmen und ihre Gefahren relativieren, statt alles zu tun, um sie zu stoppen und rückgängig zu machen, soweit das noch möglich ist. Wer von Bevölkerungsaustausch spricht, ist nicht rechtsextrem. Er hat nur nicht verstanden, um was es geht, und das ist schlimm genug.

Weiterlesen: https://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/karlpeterschwarz/5621129/Bevoelkerungsaustausch-haben-nicht-Rechtsextreme-erfunden

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