Wenn ein Dach brennt, stürzt nicht gleich die Kirche ein « DiePresse.com

In einem Artikel für „Le Figaro“ (16. 8. 1904) beklagte Marcel Proust, ein Agnostiker, den „Tod der Kathedralen“. Er stellte sich darin vor, wie Jahrhunderte nach dem Ende des Katholizismus Schauspieler die katholische Liturgie mimen würden, um dem Publikum die verloren gegangene Bedeutung der Sakralbauten vor Augen zu führen. Die Kathedralen, schrieb er, seien nicht nur die „schönsten Monumente unserer Kultur“, sondern auch „die einzigen, die noch ein ganzheitliches Leben führen, die im Zusammenhang mit dem Zweck verblieben sind, zu dem sie geschaffen wurden“. Die „Verstümmelung all der Statuen, die Zertrümmerung all der Glasfenster, die die Revolution unseren Kirchen zugefügt hat“ seien nichts im Vergleich mit ihrer Zweckentfremdung, denn „wenn das Opfer von Christi Fleisch und Blut nicht mehr in den Kirchen zelebriert wird, werden sie ohne Leben sein“.

Das Entsetzen, das der Brand in Europa hervorgerufen hat, zeigt, wie tief das Christentum selbst die wildesten Atheisten geprägt hat. Aber die Bindekraft des Katholizismus lässt nach. Proust konnte nicht ahnen, dass der Glaube einmal nicht nur unter dem Staat, sondern unter der Kirche selbst leiden würde. Modernistischer Furor hat sogar die ihm vertraute Liturgie aus den Kathedralen verbannt.
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