Calais, Cottbus, Macerata: Ein Wochenende in Europa

Unkontrollierte Massenmigration erzeugt Xenophobie, Chaos und Gewalt. Wer ist schuld? Migranten, die sich durchschlagen? Einheimische, die sich bedroht fühlen?

Am Samstag schoss ein italienischer Neofaschist aus einem Auto auf Nordafrikaner und verletzte acht von ihnen. Angeblich hatte Luca Traini die Absicht gehabt, einen nigerianischen Drogendealer zu erschießen, der wegen des Verdachtes der Ermordung und Zerstückelung einer heroinabhängigen Achtzehnjährigen dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde.

 Doch weil ihn das Polizeiaufgebot vor dem Gerichtsgebäude abschreckte, heißt es, habe er auf der Straße auf Afrikaner geschossen, „um etwas gegen die Immigration“ zu tun. Danach legte er die leere Patronenschachtel dort nieder, wo die Leichenteile des Mädchens in zwei Koffern aufgefunden wurden, und zündete daneben eine Kerze für Benito Mussolini an.

Die politischen Reaktionen waren die vorhersehbaren. Die Linke macht den Rassismus für das Verbrechen verantwortlich, die Rechte die Völkerwanderung. Die ausländerfeindliche Stimmung leitet Wasser auf die Mühlen des Rechtsextremismus.

Unter Migranten ist die Kriminalitätsrate um 60 Prozent höher als im Durchschnitt. Zudem begehen sie vorwiegend „bürgernahe“ Delikte wie Diebstähle, Einbrüche, Drogenhandel und Vergewaltigungen. Von den 630.000, die sich in Italien aufhalten, seien nur 30.000 dazu berechtigt, sagte Silvio Berlusconi. Alle anderen müssten das Land verlassen. Aber wohin mit ihnen?

Viele Migranten ziehen weiter, bis sie in Calais in einer Sackgasse landen. Voriges Jahr wurden dort 115.000 Versuche unternommen, in das Sperrgebiet am Eurotunnel und am Hafen einzudringen. Immer öfter kommt es zu Gewalt. Ein Lastwagenfahrer kam bereits ums Leben, Dutzende Polizisten wurden verletzt.

Im Oktober 2016 räumten die Behörden das wilde Flüchtlingslager, „Dschungel“ genannt. Aber als sich im Jänner das Gerücht verbreitete, ein Grenzabkommen zwischen Emmanuel Macron und Teresa May könnte den Weg nach Großbritannien erleichtern, verdoppelte sich die Zahl der Migranten von einem Tag auf den anderen. Letzte Woche gerieten Schlepper sowie afghanische und eritreische Banden aneinander. Schüsse fielen, es gab zwei Dutzend Verletzte. Frankreichs Innenminister sprach von einem „nie gekannten Ausmaß der Gewalt“.

Die Zahl derer, die sich illegal in der EU aufhalten, geht in die Millionen. Wie im Mittelalter ziehen sie als Randständige, Stadtstreicher und Marodeure durch das postmoderne Europa, ohne Aussicht, ihren Aufenthalt zu legalisieren, ohne Chancen auf Integration. Denn sie bringen nicht die dafür nötigen Voraussetzungen mit, sondern die Werte und Verhaltensweisen, die Ressentiments und Konflikte ihrer Ursprungsländer. Kulturelle Prägungen verliert man nicht so leicht wie Personaldokumente.

Wer es endlich dorthin geschafft hat, wo Milch und Honig fließen, landet zum Beispiel in Cottbus. Die brandenburgische Stadt hat 100.000 Einwohner. 4300 Migranten, vorwiegend Syrer, wurden in leeren Plattenbauten untergebracht. Vergeblich bat der Oberbürgermeister, ihm keine weiteren Flüchtlinge mehr zu schicken.

Drei junge Syrer gingen dann im Jänner vor einem Supermarkt mit einem Messer auf ein deutsches Ehepaar los, weil es ihnen nicht den Vortritt überlassen wollte. Tage danach kam es zu Schlägereien zwischen deutschen und syrischen Jugendlichen. Messer wurden gezückt, die rege rechtsextreme Szene mischte mit. Am Samstag gab es in Cottbus zwei Demonstrationen. Die erste, medial gefeierte, weil humanitär ausgeschilderte, versammelte 200 Wir-schaffen-es-Deutsche. Stunden später gingen 5000 auf die Straße und forderten den sofortigen Zuwanderungsstopp.

Wer ist nun Schuld an Hass und Gewalt? Die Migranten, die sich so gut es geht durchschlagen? Die Einheimischen, die sich bedroht fühlen? Oder vielleicht doch jene, die der unkontrollierten Massenmigration die Schleusen geöffnet haben und nichts tun, um sie effizient und nachhaltig zu schließen?

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